Reise-Inspiration

Dänemark mit dem Zug

Dänemark ist ein gutes Bahnland, aber ein schmales. Fast der gesamte Fernverkehr läuft über eine einzige Achse: von Kopenhagen über Fünen nach Jütland und dort nach Norden. Wer an dieser Linie liegt, kommt bequem überall hin. Wer daneben liegt, braucht Bus, Fähre oder Auto, und das ist keine Ausnahme, sondern die Regel für Küsten und Inseln.

Was du dir merken solltest: Der Zug quert den Großen Belt durch einen Tunnel, während die Autos über die Brücke darüber fahren. Über den Kleinen Belt fährt die Bahn bis heute über die alte Brücke von 1935. Und nach Bornholm fährt kein Zug, auch nicht mit Umsteigen; dort endet das dänische Schienennetz endgültig am Wasser.

Dänemark mit dem Zug
Foto: © 2003 by Tomasz Sienicki [user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com], CC BY 2.5 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptbetreiberDSB, dazu Arriva, Nordjyske und Midtjyske Jernbaner, Lokaltog
  • Streckennetzrund 2.600 Kilometer
  • Großer BeltBahn seit 1997, Straße seit 1998
  • Øresundfeste Verbindung seit 2000, Bahn und Straße
  • Nördlichster BahnhofSkagen, Bahnanschluss seit 1890
  • Ohne BahnanschlussBornholm sowie alle reinen Fähreninseln

Wie das Netz aufgebaut ist

Das dänische Netz umfasst rund 2.600 Streckenkilometer. Den größten Teil des Personenverkehrs fährt die staatliche DSB, daneben betreiben Arriva, Nordjyske Jernbaner, Midtjyske Jernbaner und Lokaltog einzelne Strecken, vor allem in Jütland und auf Seeland. Für dich als Reisenden macht das kaum einen Unterschied, weil die Fahrplanauskunft alle Betreiber zusammenführt und Anschlüsse aufeinander abgestimmt sind.

Elektrifiziert ist bislang nur ein Teil des Netzes; ein Ausbauprogramm läuft, ebenso die schrittweise Umstellung der Signaltechnik auf das europäische System. Praktisch heißt das: Es gibt regelmäßig Bauarbeiten mit Schienenersatzverkehr, und die betroffenen Abschnitte wechseln. Prüfe deine Verbindung deshalb kurz vor der Fahrt und nicht nur bei der Buchung.

Die Hauptachse: Kopenhagen bis Frederikshavn

Die eine Linie, die alles trägt, führt von Kopenhagen über Roskilde und den Großen Belt nach Odense, weiter über Fredericia nach Aarhus und von dort über Randers nach Aalborg und Frederikshavn. Alle vier größten Städte des Landes liegen daran. Wer eine Städtereise plant, kann sie komplett ohne Auto fahren, und die Fahrzeiten zwischen den Etappen sind kurz genug für einen halben Tag Programm an beiden Enden.

Von dieser Achse zweigen die Querstrecken ab: nach Esbjerg im Westen, nach Struer und Thisted im Nordwesten, nach Sønderborg im Süden und über Tønder an die Grenze. Diese Linien sind langsamer und teils in privater oder regionaler Hand, führen aber genau in die Landschaften, für die man nach Dänemark fährt. Details zu den Bahnhöfen stehen bei Verkehr in Aarhus und Verkehr in Aalborg.

Der Große Belt: Zug im Tunnel, Auto auf der Brücke

Zwischen Seeland und Fünen liegt der Große Belt, und die feste Verbindung darüber ist nicht ein Bauwerk, sondern drei. Von Seeland aus führt ein gebohrter Tunnel unter dem östlichen Fahrwasser zur Insel Sprogø; er ist rund acht Kilometer lang und nimmt ausschließlich die Bahn auf. Darüber spannt sich die Osthängebrücke mit einer Hauptspannweite von 1.624 Metern und Pylonen von 254 Metern Höhe, und die trägt nur die Straße. Von Sprogø nach Fünen führt die Westbrücke, auf der Bahn und Straße nebeneinanderliegen.

Die Bahnstrecke wurde 1997 eröffnet, die Straße folgte 1998. Für die Straßenquerung wird Maut erhoben, im Zug ist die Querung im Fahrpreis enthalten. Wenn du im Zug plötzlich im Dunkeln sitzt, während parallel die Brücke sichtbar wäre: Das ist der Tunnel, und das ist der Grund, warum die berühmte Aussicht Autofahrern vorbehalten bleibt.

Der Kleine Belt: eine Brücke von 1935 im Dienst

Zwischen Fünen und Jütland liegt der Kleine Belt. Die alte Brücke von 1935 nahm Bahn und Straße zugleich auf; seit 1970 führt die Autobahn über eine zweite, größere Brücke daneben. Die alte Brücke ist bis heute die einzige Bahnverbindung zwischen Jütland und Fünen. Maut wird am Kleinen Belt nicht erhoben.

Für Reisende ist der Abschnitt zwischen Middelfart und Fredericia deshalb ein hübsches Detail: Du fährst auf einem Bauwerk aus den 1930er Jahren über eine der meistbefahrenen Achsen Nordeuropas, und von der Straßenbrücke daneben sieht man ihm das Alter deutlich an.

Über den Øresund nach Malmö

Seit 2000 gibt es die feste Verbindung nach Schweden. Sie besteht aus einer Schrägseilbrücke von rund 7,9 Kilometern, der künstlichen Insel Peberholm und einem Absenktunnel von rund 4 Kilometern unter der Fahrrinne von Drogden. Bahn und Straße nutzen dieselbe Verbindung, und die Züge halten unterwegs am Flughafen Kopenhagen.

Praktisch heißt das: Malmö ist von Kopenhagen aus eine kurze Bahnfahrt und funktioniert als Tagesausflug. Für die Straße gilt Maut, für die Bahn nicht. Beachte, dass an dieser Grenze zeitweise Kontrollen stattfinden können; wer über den Sund fährt, sollte einen Ausweis dabeihaben. Mehr zum Nahverkehr in der Hauptstadt steht bei Verkehr in Kopenhagen.

Wohin der Zug nicht fährt

Der wichtigste Punkt für die Planung. Nach Bornholm fährt kein Zug, und es gibt auch keine Bahnfähre; die Insel erreichst du per Schiff oder Flugzeug. Ebenso wenig gibt es Bahnanschluss auf Ærø, Samsø, Læsø, Fanø und Rømø. Auch viele bekannte Küstenorte liegen abseits: Hvide Sande, Blokhus, Løkken und Hirtshals sind nicht auf die gleiche Weise erreichbar wie eine Stadt an der Hauptachse.

Positiv überrascht dagegen der Norden: Skagen hat seit 1890 einen Bahnanschluss, und die Strecke ab Frederikshavn wird bis heute betrieben. Auch Esbjerg und Ribe liegen an der Schiene. Wer im Norden oder Westen unterwegs ist, kombiniert Bahn und Regionalbus; die Busse sind ins selbe Auskunftssystem eingebunden.

Anreise aus Deutschland

Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen fahren über Jütland und den Großen Belt. Der Grenzübergang liegt bei Padborg beziehungsweise Flensburg. Die feste Fehmarnbelt-Verbindung zwischen Lolland und Fehmarn befindet sich im Bau; solange sie nicht in Betrieb ist, bleibt der Weg über Jütland die Bahnroute.

Wer von Norddeutschland aus in den Norden Jütlands will, sollte prüfen, ob eine Fähre die bessere Wahl ist, etwa nach Hirtshals oder nach Frederikshavn. Für Kopenhagen und Fünen ist der Zug meist die einfachere Lösung, weil du ohne Umsteigen bis in die Innenstadt kommst.

Fahrrad, Gepäck und Reservierung

Fahrräder darfst du in dänischen Zügen mitnehmen, im Fernverkehr aber nur mit begrenzter Platzzahl und je nach Strecke mit Reservierung. Kläre das vor der Fahrt beim Betreiber, denn die Regelung unterscheidet sich zwischen Fernzügen, Regionalzügen und der Kopenhagener S-Bahn. Für eine Radreise ist das der wichtigste Planungspunkt überhaupt, weil ein voller Fahrradwagen die Etappe kippen kann.

Sitzplatzreservierungen sind auf den meisten Verbindungen möglich und auf stark nachgefragten Zügen sinnvoll, vor allem an Wochenenden und in den Ferien. Fahrscheine kaufst du digital oder am Automaten; gezahlt wird in dänischen Kronen, und Karte funktioniert überall. Aktuelle Bedingungen stehen beim Betreiber, weil sie sich ändern.

Wo Bus und Fähre den Zug ergänzen

Dänemark behandelt Bahn, Bus und Fähre planerisch als ein System. Regionalbusse fahren die Orte an, an denen die Schiene endet, und sie sind in dieselbe Auskunft eingebunden wie die Züge; an vielen Bahnhöfen liegt der Busbahnhof direkt am Gleis. Für die Nordseeküste, das Wattenmeer und die Fjordorte ist der Bus deshalb kein Notbehelf, sondern der vorgesehene Anschluss.

Dasselbe gilt für Fähren. Von Helsingør setzt du nach Helsingborg in Schweden über, von Esbjerg nach Fanø, von Frederikshavn nach Læsø und Göteborg. Diese Verbindungen ersetzen keine Bahnstrecke, aber sie machen aus einer Sackgasse eine Route. Wichtig ist nur, dass du sie als eigene Etappe planst und nicht als Beiwerk: Eine verpasste Fähre kostet auf einer Insel den halben Tag.

Für wen sich die Bahnreise lohnt

Für Städtereisen ist der Zug in Dänemark die bessere Wahl als das Auto. Kopenhagen, Odense, Aarhus und Aalborg liegen auf einer Linie, die Bahnhöfe liegen zentral, und in allen vier Städten kommst du zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Nahverkehr weiter. Parken entfällt, Maut entfällt, und die Fahrzeit zwischen den Etappen ist nutzbar.

Für Ferienhausurlaub, Wattenmeer, Nordseeküste und die kleinen Inseln ist der Zug dagegen nur die halbe Miete. Dort brauchst du vor Ort ein Rad, einen Bus oder ein Auto. Die ehrlichste Planung ist gemischt: die langen Strecken mit der Bahn, die letzte Etappe anders. Wie das in einer konkreten Route aussieht, steht auf der Seite zur Dänemark-Städtereise.

Häufige Fragen

Fährt ein Zug nach Bornholm?

Nein. Bornholm hat keine Bahnverbindung zum übrigen Dänemark und auch keine Bahnfähre. Du kommst mit dem Schiff hin, unter anderem von Køge und von Ystad in Schweden, oder mit dem Flugzeug. Wer mit der Bahn anreist, fährt bis zum Fährhafen und steigt dort um.

Fährt der Zug über die Storebælt-Brücke?

Nein, unter ihr hindurch. Die Bahn nutzt einen rund acht Kilometer langen Tunnel unter dem östlichen Fahrwasser bis zur Insel Sprogø, die Autos fahren darüber über die Hängebrücke. Von Sprogø nach Fünen liegen Bahn und Straße dann gemeinsam auf der Westbrücke.

Brauche ich eine Sitzplatzreservierung?

Auf den meisten Verbindungen ist sie möglich, aber nicht zwingend. Sinnvoll ist sie auf der Hauptachse an Wochenenden, in den Ferien und wenn du mit Gepäck oder zu mehreren reist. Für Fahrräder gelten eigene Regeln, und dort ist eine Reservierung je nach Strecke Pflicht. Prüfe beides vorab beim Betreiber.

Komme ich mit der Bahn nach Skagen?

Ja. Von Frederikshavn führt eine Regionalstrecke nach Skagen, die seit 1890 besteht und weiterhin betrieben wird. Damit ist der nördlichste Ort Dänemarks besser an die Schiene angebunden als viele Küstenorte an der Nordsee, die nur mit Bus oder Auto erreichbar sind.

Lohnt sich Dänemark ohne Auto?

Für eine Städtereise entlang der Hauptachse eindeutig ja. Für Ferienhaus, Dünenküste und kleine Inseln nur eingeschränkt, weil dort die letzte Etappe fehlt. Die brauchbare Lösung ist eine Mischung: lange Strecken mit der Bahn, vor Ort Rad, Bus oder ein Mietwagen für einzelne Tage.