Syddanmark

Odense

Odense liegt in der Mitte von Fünen (Fyn), rund 25 Kilometer vom Meer entfernt und über den Fluss Odense Å mit dem Wasser verbunden. Mit 180.863 Einwohnern ist es die drittgrößte Stadt Dänemarks. Der Name ist älter als alles, was hier steht: er geht auf Odins vé zurück, das Heiligtum Odins, und die Stadt taucht am 18. März 988 zum ersten Mal in einer lateinischen Urkunde Kaiser Ottos III. auf, dort schon als Bischofssitz.

Was du erwarten kannst: Odense verkauft sich über Hans Christian Andersen, und das ist ehrlich verdient, weil er hier 1805 geboren wurde und bis vierzehn hier lebte. Aber die Stadt ist keine Märchenkulisse. Sie ist eine funktionierende Universitäts- und Krankenhausstadt, deren Zentrum bis vor kurzem von einer vierspurigen Straße zerschnitten war. Diese Straße gibt es nicht mehr, und was an ihrer Stelle entstanden ist, gehört zu den interessantesten Stadtumbauten Dänemarks.

Odense
Foto: Guillaume Baviere from Uppsala, Sweden, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameOdense, auf Fünen (Fyn)
  • RegionSyddanmark
  • Einwohner180.863
  • Erste Erwähnung18. März 988, Urkunde Kaiser Ottos III.
  • NamensbedeutungOdins vé, das Heiligtum Odins
  • H.C. Andersengeboren 1805 in Odense, gestorben 1875 in Kopenhagen
  • Ideale Dauer1 bis 2 Tage, mit Ausflug auf Fünen zwei

Odins Heiligtum: woher der Name kommt

Odense heißt nicht nach einem Gründer und nicht nach einer Landschaft, sondern nach einem Gott. Der Name setzt sich aus Odin und dem altnordischen vé zusammen, einem geweihten Ort, an dem geopfert wurde. Vor der Christianisierung stand hier also ein Kultplatz. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom 18. März 988: Kaiser Otto III. stellte eine Urkunde aus, in der Odense als Bischofsstadt genannt und der Bischofssitz von Abgaben befreit wird.

Diese Doppelung, heidnischer Name und frühe Bischofsstadt, ist kein Zufall. Die Kirche setzte sich gern dorthin, wo schon vorher etwas war. Sichtbar ist davon nichts mehr, aber es erklärt, warum eine Stadt ohne Hafen und ohne Burg so früh so wichtig wurde.

Andersen: geboren hier, gegangen mit vierzehn

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 in Odense geboren, als Sohn eines Schuhmachers. Von 1807 bis 1819 lebte die Familie in einem kleinen Haus in der Munkemøllestræde, das heute als Kindheitshaus zugänglich ist. Mit vierzehn ging er nach Kopenhagen, um am Königlichen Theater unterzukommen, und kehrte nie dauerhaft zurück. Gestorben ist er am 4. August 1875 in Kopenhagen, begraben liegt er dort auf dem Assistens Kirkegård.

Wer das im Kopf hat, versteht die Stadt besser: Odense feiert einen Menschen, der weggegangen ist. Das Museum arbeitet genau daran, statt eine Idylle nachzubauen.

Das neue Museum von 2021

Das H.C. Andersens Hus wurde am 30. Juni 2021 eröffnet, entworfen vom japanischen Büro Kengo Kuma and Associates. Der größte Teil liegt unter der Erde, darüber liegen runde Holzlamellenbauten und ein Garten, der sich an Andersens Geschichten orientiert. An eine Biografie in Vitrinen erinnert das wenig; es ist eher ein begehbares Erzählprinzip. Am selben Ort steht seit 1908 ein Museum, das der Ausgangspunkt war.

Zum Ensemble gehört das kleine gelbe Eckhaus an der Hans Jensens Stræde, gebaut 1799, das das Museum als Geburtshaus führt. Dazu kommt ein Märchengarten, in dem elf Geschichten räumlich erzählt werden. Der Audioguide dauert rund siebzig Minuten und ist der eigentliche rote Faden des Besuchs; ohne ihn bleibt vieles Andeutung.

Sankt Knuds Kirke und der König im Schrein

Die Sankt Knuds Kirke ist die Domkirche der Stadt und einer der klarsten Backsteingotikbauten Dänemarks. Sie ist nach Knud dem Heiligen benannt, dem König Knud IV., der 1086 in der nahe gelegenen Sankt Albani Kirke erschlagen wurde. In der Krypta liegen zwei Schreine mit den Gebeinen von Knud und seinem Bruder Benedikt. Der heutige Bau wurde am 30. April 1499 geweiht. Nicht verwechseln mit Knud Lavard, einer anderen Person, die in Ringsted begraben ist.

Im Kirchenraum steht außerdem ein geschnitzter Flügelaltar aus der Werkstatt von Claus Berg, entstanden um 1520 für die Franziskanerkirche der Stadt und erst 1886 in den Dom gebracht. In der Krypta liegen daneben mehrere Königsgräber, unter anderem das von Christian II. Für einen Bau, der von außen sehr streng wirkt, steckt darin ungewöhnlich viel.

Die Straße, die zur Stadt wurde

Bis 2014 lief die vierspurige Thomas B. Thriges Gade mitten durch das Zentrum und trennte das Andersen-Viertel vom Rathausplatz. Am 28. Juni 2014 wurde sie für den Durchgangsverkehr gesperrt, danach entstand bis 2020 ein neues Quartier mit Wohnungen, Geschäften und einer Tiefgarage unter der gesamten Länge. Dazu kam 2017 das Konzert- und Theaterhaus Odeon. Wenn dir die Innenstadt heute überraschend zusammenhängend vorkommt, liegt das an diesem Umbau, nicht an gewachsener Altstadt.

Kunst in der alten Tuchfabrik

Nordwestlich des Zentrums steht Brandts Klædefabrik, 1869 als Tuchfabrik gegründet und 1977 stillgelegt. Von 1982 bis 1986 wurde das Gelände zum Kulturquartier umgebaut; 1987 zogen eine Kunsthalle und ein Fotomuseum ein. Seit 2013 sind sie mit dem Fyns Kunstmuseum zum Kunstmuseum Brandts zusammengeführt. Im selben Komplex sitzen ein Medienmuseum, ein Kino und Veranstaltungsräume, und das ganze Viertel funktioniert deshalb auch abends.

Grün, Wasser und ländliches Fünen

Der Odense Å zieht sich als grünes Band durch die Stadt. Der zugehörige Park ist Munke Mose: die Stadt kaufte das Gelände 1881, um es vor Bebauung zu schützen, und ließ es später als Park anlegen. Von dort führt ein durchgehender Uferweg nach Süden.

An diesem Weg liegt auch Den Fynske Landsby, ein Freilichtmuseum, das am 22. Juni 1946 mit acht Gehöften eröffnete und heute rund fünfundzwanzig Gebäude vom Land Fünens zeigt. Der Kontrast ist der Punkt: erst die Stadt, dann in einer halben Stunde Fußweg das Dorf, aus dem die Stadtbewohner kamen.

Egeskov und der Rest der Insel

Der bekannteste Ausflug ab Odense ist Schloss Egeskov bei Kværndrup, ein Wasserschloss von 1554, das auf gerammten Eichenpfählen steht und Gärten, Fahrzeugsammlungen und einen Weidenlabyrinth-Garten hat. Näher liegt Kerteminde mit rund 20 Kilometern; dort wurde 1935 das Ladbyschiff gefunden, ein Schiffsgrab aus der Zeit um 925 und das einzige bekannte seiner Art in Dänemark. Nyborg mit seiner Königsburg liegt rund 40 Kilometer entfernt, Svendborg und Faaborg im Süden je rund 50.

Anreise, Letbane und Storebælt

Odense liegt an der Hauptbahnstrecke zwischen Kopenhagen und Jütland, der Bahnhof ist der Knotenpunkt der Insel. Seit dem 28. Mai 2022 fährt eine Straßenbahn, die Odense Letbane: 14,5 Kilometer, 26 Haltestellen, von Tarup im Nordwesten über den Bahnhof und die Universität bis Hjallese im Süden. Mit dem Auto sind es von Hamburg rund 260, von Berlin rund 470 Kilometer über Land. Wer von Seeland kommt, fährt über die Storebæltsbroen, und dort wird Maut erhoben; die Lillebæltsbroen nach Jütland ist mautfrei. Details stehen unter Verkehr in Odense.

Wetter und beste Zeit

Der August ist der wärmste Monat mit einer mittleren Tageshöchsttemperatur von 21,2 Grad, im Januar liegt die mittlere Nachttemperatur bei 0,6 Grad. Der Juli ist mit 78 Millimetern der nasseste Monat, der März mit 51 Millimetern der trockenste; über das Jahr fallen 757 Millimeter an 147 Regentagen. Fünen liegt geschützter als die Nordseeküste, der Wind ist hier also seltener das Problem als weiter westlich.

Ein Tag oder zwei

Ein Tag reicht für das Andersen-Museum, den Dom, das Fabrikviertel und einen Gang am Fluss. Für zwei Tage nimmst du Egeskov oder Den Fynske Landsby dazu, und dann ergibt Odense als Standort für Fünen wirklich Sinn. Die Reihenfolge und die vollständige Liste stehen unter Odense Sehenswürdigkeiten.

Konkret funktioniert das so: vormittags das Andersen-Museum, weil es früh am ruhigsten ist, danach zu Fuß zum Dom und über das neue Quartier zum Rathausplatz. Am Nachmittag Brandts, und zum Ausklang am Fluss entlang nach Süden. Der zweite Tag gehört dann ganz einem Ziel außerhalb, nicht zwei halben.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Odense14°Cbedeckt
  • Wärmster MonatAugust, 21 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 1 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe17 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

5°1°J
5°1°F
8°1°M
11°4°A
16°8°M
20°12°J
21°13°J
21°14°A
18°12°S
13°9°O
8°4°N
6°2°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

63mm14 TageJ
59mm12 TageF
51mm11 TageM
52mm10 TageA
56mm11 TageM
69mm11 TageJ
78mm14 TageJ
73mm12 TageA
63mm12 TageS
72mm14 TageO
58mm12 TageN
63mm14 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Hamburg207 km260 km, 3 Std. 15 Min.
Berlin376 km470 km, 6 Std.
Düsseldorf522 km650 km, 8 Std.
Köln546 km680 km, 8 Std. 30 Min.
Frankfurt599 km750 km, 9 Std. 30 Min.
Stuttgart741 km930 km, 11 Std. 30 Min.
München811 km1.010 km, 12 Std. 30 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Kerteminde18 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Nyborg27 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Assens34 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Faaborg35 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Svendborg40 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Middelfart43 km60 km, 0 Std. 45 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Der große GuideOdense SehenswürdigkeitenAlle Highlights ansehen

Sehenswürdigkeiten im Detail

Praktische Infos

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Odense?

Er kommt von Odins vé, also dem Heiligtum des Gottes Odin. Vor der Christianisierung stand hier ein Kultplatz. Ausgesprochen wird der Name etwa wie „Oh-den-se“ mit betonter erster Silbe. Schriftlich taucht die Stadt zuerst am 18. März 988 auf, in einer Urkunde Kaiser Ottos III.

Lohnt sich Odense, wenn mir Andersen egal ist?

Ja, aber dann aus anderen Gründen. Die Sankt Knuds Kirke, das Fabrikviertel Brandts und der Stadtumbau an der ehemaligen Thomas B. Thriges Gade tragen einen Tag auch ohne Märchen. Wer beides nicht will, sollte Odense allerdings als Zwischenstopp und nicht als Ziel planen.

Wann ist die beste Reisezeit?

Im August liegt die mittlere Tageshöchsttemperatur bei 21,2 Grad, der Juli ist mit rund 78 Millimetern der nasseste Monat, der März mit etwa 51 Millimetern der trockenste. Mai, Juni und September sind der beste Kompromiss aus Wetter und Andrang. Die Museen tragen auch den Winter, die Flusswege und Egeskov deutlich weniger.

Reicht ein Tag für Odense?

Für die Innenstadt ja. Was dann wegfällt, sind Egeskov und Den Fynske Landsby, weil beide ein halber Tag sind. Rechne für den Kern mit dem Andersen-Museum, dem Dom, Brandts und einem Gang am Odense Å; mehr passt an einem Tag nicht hinein, ohne dass es zur Hetze wird.

Ist Odense die drittgrößte Stadt Dänemarks?

Ja, nach Kopenhagen und Aarhus. Die älteste Stadt des Landes ist dagegen Ribe, nicht Odense; das wird oft verwechselt, weil Odense schon 988 urkundlich erwähnt ist. Alt und ältester sind eben zwei verschiedene Aussagen.