Syddanmark · Odense

Sankt Knuds Kirke: Krypta, König und Altar

Die Sankt Knuds Kirke ist die Domkirche von Odense und einer der klarsten Backsteingotikbauten Dänemarks. Sie trägt den Namen eines Königs, der hier umgebracht wurde: Knud IV., genannt Knud der Heilige, herrschte von 1080 bis 1086 und wurde am 10. Juli 1086 in der nahe gelegenen Sankt Albani Kirke erschlagen, zusammen mit seinem Bruder Benedikt und siebzehn Gefolgsleuten, die sich mit ihm dorthin geflüchtet hatten.

Fünfzehn Jahre später machte die Kirche aus dem Toten einen Heiligen. 1101 sprach Papst Paschalis II. ihn auf Betreiben von König Erik Ejegod heilig, als ersten dänischen König überhaupt. Damit bekam Odense eine Wallfahrtskirche, und das ist der eigentliche Grund, warum an dieser Stelle ein Dom dieser Größe steht.

Sankt Knuds Kirke: Krypta, König und Altar
Foto: Peter Larsen, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameSankt Knuds Kirke, Odense Domkirke
  • Königsmord10. Juli 1086 in der Sankt Albani Kirke
  • Heiligsprechung1101 durch Papst Paschalis II.
  • Heutiger BauBacksteingotik, geweiht am 30. April 1499
  • In der Kryptazwei Schreine und mehrere Königsgräber
  • Ideale Dauer30 bis 45 Minuten mit Krypta und Altar

Der Mord von 1086 und was daraus wurde

Knud IV. versuchte, die Königsmacht auszubauen, Abgaben durchzusetzen und einen Feldzug gegen England zu führen. Der Widerstand der Bauern in Jütland trieb ihn quer durch das Land bis nach Odense. In der Sankt Albani Kirke, einer Holzkirche, die in der Nähe der heutigen Domkirche stand, holten ihn die Aufständischen ein. 1095 wurden seine Gebeine dort vor dem Altar in einen Schrein gelegt, 1101 folgte die Heiligsprechung.

Für die Stadt war das eine Wirtschaftsgeschichte. Ein heiliger König heißt Pilger, Pilger heißen Einnahmen, und Einnahmen heißen Bautätigkeit. Wer verstehen will, warum eine Stadt ohne Hafen und ohne Burg im Mittelalter so wichtig war, findet hier die Antwort.

Nicht verwechseln: Knud Lavard

Es gibt in der dänischen Geschichte zwei heilige Knuds, und sie werden ständig durcheinandergebracht. Knud Lavard war Herzog, nicht König, wurde am 7. Januar 1131 bei Ringsted ermordet und erst 1169 durch eine päpstliche Bulle heiliggesprochen; 1170 wurde sein Schrein in der Sankt Bendts Kirke in Ringsted erhoben. Er liegt also dort und nicht in Odense. In Odense liegt Knud IV., der König von 1086.

Die Krypta: zwei Schreine und Königsgräber

Der Weg hinunter in die Krypta ist der Kern des Besuchs. Dort stehen zwei Schreine mit den Skelettresten von Knud und seinem Bruder Benedikt, offen sichtbar, was in Nordeuropa selten ist. Neuere Untersuchungen haben die Zuordnung der Gebeine zu Knud gestützt. Man steht hier vor einem Menschen aus dem 11. Jahrhundert, und die Kirche macht daraus keine Show, sondern lässt den Raum wirken.

Entlang der Ostwand der Krypta liegen außerdem Königsgräber, unter anderem die von König Hans, Königin Christine, Prinz Frants sowie von Christian II. und seiner Königin Elisabeth. In den Wänden sind Reste des älteren Baus erhalten, der vor der heutigen Kirche an dieser Stelle stand.

Der gotische Bau und der Altar von Claus Berg

Der heutige Bau wurde im späten 13. Jahrhundert unter Bischof Gisico begonnen, nachdem die ältere Kirche gebrannt hatte, und am 30. April 1499 geweiht. Er ist gotisch, aus rotem Ziegel, mit einem streng gehaltenen Äußeren und einem hohen, hellen Innenraum ohne viel Zierrat.

Der geschnitzte Flügelaltar stammt aus der Werkstatt von Claus Berg und entstand um 1520, allerdings nicht für diese Kirche: gedacht war er für die Franziskanerkirche der Stadt. Als die abgerissen werden sollte, wurde der Altar 1806 an die Vor Frue Kirke verkauft und erst 1886 in den Dom gebracht. Nimm dir Zeit für die Figuren; sie sind fein gearbeitet und aus der Entfernung nicht zu erfassen.

Besuch, Verhalten und Kombination

Die Kirche ist eine arbeitende Gemeindekirche mit Gottesdiensten und Trauerfeiern, in denen der Besucherverkehr ruht. Leise sprechen, Kopfbedeckung ab, Kamera ohne Blitz, und in der Krypta besonders zurückhaltend, denn dort liegen Gräber. Die Zugangszeiten wechseln saisonal und stehen auf der offiziellen Seite der Gemeinde.

Dreißig bis fünfundvierzig Minuten reichen für Kirchenraum, Altar und Krypta. Die Kirche liegt am Rathausplatz, wenige Minuten vom H.C. Andersens Hus und ebenso weit vom Fabrikviertel mit dem Kunstmuseum Brandts. In welcher Reihenfolge du das legst, steht unter Odense Sehenswürdigkeiten, der Stadtüberblick unter Odense und praktische Hinweise unter Odense: praktische Tipps.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es, wenn Busgruppen kommen, meist am späten Vormittag. Geh dann zuerst in die Krypta, die viele erst am Ende ansteuern, und komm für den Altar später zurück.
  • Wenn es regnetDer ganze Besuch liegt innen, Regen spielt keine Rolle. Bei Dauerregen ist die Kombination mit dem Andersen-Museum und Brandts die beste Tagesstruktur, weil alle drei nah beieinander liegen.
  • Mit KindernDie Krypta mit den Schreinen wirkt bei Kindern stärker als der Kirchenraum, kann aber auch zu viel sein. Sprich vorher kurz darüber, was dort liegt, dann wird daraus Neugier statt Schrecken.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Kirchenraum ist ebenerdig erreichbar. In die Krypta führen Stufen, und dort ist es eng; wer nicht sicher auf den Beinen ist, bleibt besser oben. Kläre mögliche Hilfen vorab bei der Gemeinde.

Häufige Fragen

Wer war Knud der Heilige?

Knud IV., König von Dänemark von 1080 bis 1086. Er wurde am 10. Juli 1086 in der Sankt Albani Kirke in Odense erschlagen, zusammen mit seinem Bruder Benedikt und siebzehn Gefolgsleuten. 1095 kamen seine Gebeine in einen Schrein, 1101 sprach Papst Paschalis II. ihn heilig, als ersten dänischen König.

Ist das derselbe Knud wie der in Ringsted?

Nein. In Ringsted liegt Knud Lavard, ein Herzog, der am 7. Januar 1131 ermordet und 1169 heiliggesprochen wurde; sein Schrein steht in der Sankt Bendts Kirke. Die beiden werden ständig verwechselt, weil beide Knud heißen, beide ermordet wurden und beide heilig sind. Gemeinsam haben sie sonst wenig.

Kann ich die Schreine wirklich sehen?

Ja, sie stehen in der Krypta offen sichtbar, und das ist in Nordeuropa ungewöhnlich. Der Zugang zur Krypta gehört zum normalen Besuch, kann aber bei kirchlichen Handlungen geschlossen sein. Verhalte dich dort so, wie du dich an einem Grab verhalten würdest.

Wie viel Zeit brauche ich?

Dreißig bis fünfundvierzig Minuten für Kirchenraum, Claus-Berg-Altar und Krypta. Wer die Figuren des Altars im Einzelnen ansehen will, sollte eine Stunde ansetzen. Die Kirche ist zentral genug, um sie zwischen zwei andere Ziele zu legen.