Nordjylland · Aalborg

Utzon Center

Das Utzon Center steht am Limfjord, dort wo bis vor wenigen Jahrzehnten Werften und Lagerhallen lagen. Eröffnet wurde es 2008, im selben Jahr, in dem Jørn Utzon starb; es ist sein letztes Werk, gezeichnet gemeinsam mit seinem Sohn Kim Utzon, der die Ausführungsplanung übernahm. Auf rund 2.700 Quadratmetern gruppieren sich mehrere Baukörper um einen Hof, überspannt von hohen, gebogenen Dächern.

Was es nicht ist: ein Museum über den Architekten der Oper von Sydney. Utzon wollte ausdrücklich kein Denkmal, sondern einen Arbeitsort für Architekturstudierende. Wer eine Werkschau erwartet, bekommt stattdessen Wechselausstellungen, Werkstätten und ein Haus, das man abgeht wie einen gebauten Entwurf.

Utzon Center
Foto: Mike Johnson, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Eröffnet2008, Utzons letztes fertiggestelltes Werk
  • ArchitektenJørn Utzon mit Kim Utzon
  • Jørn Utzon1918 in Kopenhagen geboren, aufgewachsen in Aalborg, gestorben 2008
  • Flächerund 2.700 Quadratmeter
  • LageUferstreifen am Limfjord, neben Musikkens Hus
  • Ideale Dauer1 bis 2 Stunden

Warum das Haus in Aalborg steht und nicht in Kopenhagen

Jørn Utzon wurde 1918 in Kopenhagen geboren, aber er wuchs in Aalborg auf. Sein Vater war Schiffskonstrukteur und arbeitete an der hiesigen Werft; der Sohn zeichnete zuerst Boote und wollte zur Marine, bevor er zur Architektur kam. Diese Herkunft ist der Grund, warum das Zentrum hier steht, und sie ist auch im Gebäude selbst zu erkennen.

Die Bootshalle ist kein dekorativer Einfall. Sie nimmt die Halle der Werft auf, in der Utzon als Junge stand, und beherbergt historische Boote aus dem Limfjord. Wer das weiß, liest die geschwungenen Dächer nicht mehr als freie Formen, sondern als Erinnerung an Rümpfe und Segel.

Der Bau: Höfe, Licht und gebogene Dächer

Das Zentrum besteht nicht aus einem Volumen, sondern aus mehreren Häusern um einen geschützten Hof. Utzon hat dieses Prinzip sein Leben lang benutzt, von den Höfen in Fredensborg bis zu den Wohnbauten auf Mallorca: ein Ort entsteht durch das, was zwischen den Bauten liegt.

Über Auditorium und Bootshalle sitzen hohe, gewölbte Dächer, die das Licht von oben in die Räume werfen. In der Bibliothek liegen die Arbeitsplätze dagegen dicht an den Fenstern zum Wasser. Der Wechsel zwischen diesen beiden Lichtstimmungen ist das eigentliche Erlebnis; nimm dir Zeit dafür, statt nur die Ausstellung abzugehen.

Ausstellungen, Archiv und was du tatsächlich zu sehen bekommst

Der größte Teil der Fläche gehört Wechselausstellungen zu Architektur, Design und Landschaft, oft mit internationalen Büros. Dazu kommt eine feste Abteilung zu Utzons eigenem Werk. Das Utzon-Archiv mit mehreren tausend Zeichnungen, Skizzen und Fotografien wird gemeinsam mit der Aalborg Universitet betreut und ist in erster Linie ein Forschungsbestand, kein Schauraum.

Praktisch heißt das: Was du siehst, hängt davon ab, wann du kommst. Prüfe das laufende Programm vorher auf der offiziellen Seite. Zwischen zwei Ausstellungen können Bereiche geschlossen sein, und dann bleibt vor allem das Haus selbst, was für Architekturinteressierte immer noch reicht.

Utzons Werk in Stichworten

Den Wettbewerb für die Oper von Sydney gewann Utzon 1957 gegen 233 Entwürfe aus 32 Ländern. 1966 legte er das Projekt nach Streit mit der Regierung von New South Wales nieder und kehrte nie zurück; eröffnet wurde das Haus 1973 ohne ihn. Erst 2003 bekam er den Pritzker-Preis, die höchste Auszeichnung seines Fachs.

In Dänemark stehen seine wichtigsten Bauten dicht beieinander. Die Kingo-Häuser in Helsingør entstanden von 1956 bis 1959 als 63 L-förmige Hofhäuser nach dem Vorbild alter Bauernhöfe, die Fredensborg-Häuser folgten 1963, die Kirche von Bagsværd von 1968 bis 1976. Wer das Utzon Center besucht und danach eines dieser Häuser sieht, erkennt dasselbe Prinzip wieder: Hof, wiederholtes Element, Licht von oben.

Zeit, Zugang und Kombination

Ein bis zwei Stunden sind realistisch, mit Ausstellung eher zwei. Das Zentrum liegt an der Uferpromenade, direkt neben dem Musikkens Hus und in Sichtweite von Nordkraft; die drei Bauten hintereinander abzugehen ist der sinnvollste halbe Tag in Aalborg. Vom Bahnhof sind es etwa zwanzig Minuten zu Fuß, vom Zentrum weniger.

Wer Architektur als Reisethema betreibt, hängt KUNSTEN an, den Aalto-Bau von 1972 am anderen Ende der Stadt. Beides an einem Tag ist machbar, aber anstrengend. Der Weg dahin und alle anderen Ziele stehen in der Übersicht der Aalborger Sehenswürdigkeiten, die Uferstrecke selbst unter Limfjord und Hafenfront.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang ist selten ein Problem; voll wird es bei Eröffnungen und an Regentagen in den Sommerferien. Beginne dann in der Bibliothek und geh erst danach in die Ausstellungsräume, dann läufst du gegen den Strom.
  • Wenn es regnetDer Besuch liegt fast vollständig innen, Regen stört also nicht. Nur der Hof und der Blick über den Fjord fallen weg, und beides gehört zum Entwurf.
  • Mit KindernFür kleine Kinder ist das Haus zu abstrakt, es gibt nichts zum Anfassen. Die Bootshalle funktioniert, der Rest kaum. Mit Kindern ist der Zoo oder das U-Boot im Westhafen die bessere Wahl.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Ebenen sind weitgehend barrierearm erschlossen und die Wege innen kurz. Der Uferweg davor ist eben, aber ungeschützt; bei starkem Wind vom Fjord ist die Anfahrt bis vor das Haus angenehmer als der Spaziergang.

Häufige Fragen

Ist das Utzon Center ein Museum über die Oper von Sydney?

Nein. Es gibt eine Abteilung zu Utzons Werk, aber das Haus wurde ausdrücklich nicht als Denkmal geplant, sondern als Arbeits- und Diskussionsort für Architektur. Den größten Teil der Fläche belegen Wechselausstellungen, die mit Sydney nichts zu tun haben müssen.

War Jørn Utzon Aalborger?

Geboren wurde er 1918 in Kopenhagen, aufgewachsen ist er in Aalborg, weil sein Vater hier als Schiffskonstrukteur arbeitete. Diese Jahre am Fjord sind der Grund, warum sein letztes Haus hier steht und warum darin eine Bootshalle liegt.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

1 bis 2 Stunden. Mit dem Nachbargebäude Musikkens Hus und dem Kulturhaus Nordkraft wird daraus ein halber Tag am Wasser, ohne dass du einmal ein Verkehrsmittel brauchst.

Lohnt sich der Besuch bei schlechtem Wetter?

Ja, gerade dann. Das Haus ist innen begehbar, der Hof lässt sich vom Trockenen aus überblicken, und die Uferpromenade davor ist bei Wind ohnehin unangenehm. Umgekehrt gilt: an einem klaren Sommerabend ist draußen mehr los als drinnen.