Midtjylland · Aarhus

Latinerkvarteret: das alte Aarhus zu Fuß

Das Latinerkvarteret ist der nördliche Teil des alten Aarhus und das älteste erhaltene Viertel der Stadt. Sein verwinkeltes Straßennetz stammt aus dem Mittelalter; als im 15. Jahrhundert die alten Befestigungen aus der Wikingerzeit abgetragen wurden, entstand hier Platz zum Bauen. Bei Ausgrabungen in diesem Bereich kamen Funde bis zurück in die Eisenzeit ans Licht.

Eine Klarstellung vorweg: der Name ist jung. Er wurde 1983 von einem Makler geprägt, der das Gebiet nördlich des Doms als neues Quartier vermarkten wollte; der Bezug geht auf die Aarhus Katedralskole, die seit dem Mittelalter als Lateinschule arbeitet und seit über achthundert Jahren am selben Ort am Rand des Viertels steht. Historisch hieß das hier nie so.

Latinerkvarteret: das alte Aarhus zu Fuß
Foto: RhinoMind, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Lagenördlich des Doms, Teil der Aarhuser Innenstadt
  • Alterältestes erhaltenes Viertel von Aarhus, Straßennetz aus dem Mittelalter
  • Nameerst 1983 geprägt, kein historischer Begriff
  • HauptachseKlostergade und Graven, älterer Mittelpunkt ist der Pustervig Torv
  • Katedralskoleam Rand des Viertels, seit vor 1195 am selben Ort
  • Ideale Dauer1 bis 2 Stunden für einen Rundgang mit Pause

Welche Straßen dazugehören

Der historische Kern des Viertels besteht aus Mejlgade, Nørregade, Paradisgade, Badstuegade, Klostergade, Volden, Studsgade, Borggade, dem gepflasterten Teil der Guldsmedegade, Rosensgade und Graven. Klostergade und Graven bilden die Hauptachse, der Pustervig Torv ist der ältere Mittelpunkt. Wer das im Kopf hat, läuft nicht an der Sache vorbei, denn die Grenzen sind fließend und nirgends ausgeschildert.

Der Name Volden verrät die Geschichte: dort verlief der Wall der frühen Stadt. Die Straßen sind eng und laufen nicht parallel, was ein mittelalterliches Erbe ist und der Grund, warum sich das Viertel so anders anfühlt als die geraden Einkaufsstraßen zwei Blocks weiter südlich.

Was du hier tatsächlich siehst

Erwarte keine geschlossene Altstadtkulisse. Was du bekommst, sind einzelne alte Häuser, viel Ziegel aus dem 19. Jahrhundert und eine Nutzung, die den Unterschied macht: kleine Läden, Werkstätten, Plattenläden, Buchhandlungen, Secondhand, Cafés mit Stühlen auf der Gasse. Es ist ein bewohntes Viertel und keine Museumszone, und deshalb ist es sonntags früh sehr still und donnerstagabends sehr voll.

Für die Augen lohnen die Höfe. Viele Häuser haben Durchgänge zu Hinterhöfen, die offen stehen; das sind die Stellen, an denen die alte Struktur noch am deutlichsten ist. Schau hinein, wo es offen ist, und respektiere Türen, die zu sind.

Ein Teil des Reizes ist wirtschaftlicher Natur. Weil die Ladenflächen klein und die Erdgeschosse alt sind, halten sich hier Geschäfte, die in den großen Einkaufsstraßen längst verdrängt worden wären: Platten, Bücher, Secondhand, Werkstattbetriebe. Das ist der Grund, warum du im Latinerkvarteret Dinge findest, die es in Aarhus sonst nirgends gibt, und warum das Viertel bei Einheimischen einen anderen Ruf hat als bei Reisegruppen.

Volden, Graven und die Spuren der alten Stadt

Zwei Straßennamen erzählen die Stadtgeschichte fast von allein. Volden heißt Wall, Graven heißt Graben; beide markieren, wo die Befestigung der frühen Stadt lag, bevor sie im 15. Jahrhundert abgetragen wurde. Wer diese Linie einmal abläuft, versteht, wie klein Aarhus im Mittelalter war: der bewohnte Kern passte in ein Gebiet, das du heute in zehn Minuten durchquerst.

Am südlichen Rand steht die Aarhus Katedralskole. Sie ist seit der Zeit vor 1195 belegt und seit über achthundert Jahren am selben Ort, und sie ist der einzige echte Grund, warum das Wort Latein überhaupt im Namen des Viertels auftaucht.

Ein Rundgang, der Sinn ergibt

Starte am Bispetorv an der Domkirche, geh über Rosensgade und Graven nach Norden, bieg in die Badstuegade ab und lauf über Volden und Studsgade zurück Richtung Mejlgade. Von der Mejlgade sind es wenige Minuten zum Wasser. Das dauert zu Fuß ohne Pausen etwa eine Stunde; mit Läden und einem Kaffee werden zwei daraus.

Wer danach weiter will: die Åboulevarden am wieder freigelegten Fluss liegt direkt südlich, von dort sind es zehn Minuten zu Dokk1 und zum Hafen. Was in den Cafés und Läden typisch dänisch ist und worauf du beim Bezahlen achtest, steht unter Essen und Trinken in Aarhus.

Wann du hierhergehst

Vormittags ist das Viertel ruhig und die Läden öffnen erst nach und nach. Der späte Nachmittag ist der beste Kompromiss aus Licht in den engen Gassen und geöffneten Türen. Am Wochenende ist es abends laut, weil die Kneipen hier liegen; wenn du in der Nähe schläfst, ist das ein Argument für eine Straße weiter weg, siehe Hotels in Aarhus.

Das Viertel ist der beste Teil der Stadt für eine Stunde ohne Programm. Wo es in der Reihenfolge des Tages steht, findest du unter Aarhus Sehenswürdigkeiten und im Stadtüberblick zu Aarhus.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es an warmen Wochenendnachmittagen und abends in den Kneipenstraßen. Am Vormittag hast du dieselben Gassen fast für dich, dafür sind noch nicht alle Läden offen.
  • Wenn es regnetLäden und Cafés tragen eine Stunde. Für längere Regenphasen gehst du zwei Minuten weiter zum Dom oder ans Wasser zur Bibliothek, beides liegt im selben Radius.
  • Mit KindernFür Kinder ist ein Straßenrundgang schnell langweilig. Mach eine Aufgabe daraus, etwa Türen und Hoftore zählen, oder plane den Weg so, dass er am Wasser endet.
  • Mit eingeschränkter MobilitätEnge Gehwege, Kopfsteinpflaster und einige Gefällestrecken. Mit Rollstuhl oder Rollator sind Graven und Klostergade machbar, die kleineren Gassen und Höfe oft nicht. Die Åboulevarden ist die deutlich bequemere Alternative.

Häufige Fragen

Ist das Latinerkvarteret wirklich das älteste Viertel?

Es ist das älteste erhaltene Viertel von Aarhus, mit einem Straßennetz aus dem Mittelalter und Funden bis in die Eisenzeit. Das ist eine Aussage über diese Stadt, nicht über Dänemark: die älteste Stadt des Landes ist Ribe, und dort sieht eine Altstadt auch anders aus. Der Name Latinerkvarteret selbst stammt erst von 1983.

Woher kommt der Name?

Ein Makler beschrieb 1983 das Gebiet nördlich des Doms als neues Lateinerviertel. Der Bezug ist die Aarhus Katedralskole, die seit dem Mittelalter als Lateinschule arbeitet und seit über achthundert Jahren am selben Platz am Rand des Viertels steht. Ein historischer Ortsname ist es also nicht, sondern eine gelungene Vermarktung.

Wie viel Zeit brauche ich?

Eine Stunde für den reinen Rundgang, zwei mit Läden und einer Pause. Das Viertel ist klein genug, um es ohne Karte zu durchqueren, und groß genug, dass man sich in den Gassen kurz verläuft, was hier ausdrücklich der Sinn der Sache ist.

Lohnt sich das Viertel bei schlechtem Wetter?

Eingeschränkt. Der Reiz liegt draußen, in Gassen und Höfen. Bei Dauerregen bleiben die Läden und Cafés, und das trägt eine Stunde, aber nicht den halben Tag. Dann ist ein Museum die bessere Wahl.