Midtjylland · Aarhus

Moesgaard Museum: Vorgeschichte unter einem Grasdach

Moesgaard liegt rund zehn Kilometer südlich des Zentrums in der Hügellandschaft bei Skåde und ist das archäologische Museum der Region. Das Ausstellungshaus von Henning Larsen Architects wurde im Oktober 2014 eröffnet: rund 16.000 Quadratmeter, in den Hang gesetzt, mit einem schrägen Dach aus Gras, Moos und Blühpflanzen, über das man laufen kann und das im Winter als Rodelbahn dient.

Der Grund für den Besuch liegt allerdings drinnen. Moesgaard bewahrt den Grauballe-Mann, die am besten erhaltene Moorleiche Dänemarks, gefunden am 26. April 1952 in der Nebelgård-Mose südlich des Dorfes Grauballe. Das Museum datiert ihn auf die Zeit um 390 vor Christus und gibt sein Alter beim Tod mit vierunddreißig Jahren an.

Moesgaard Museum: Vorgeschichte unter einem Grasdach
Foto: Switchcase2, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameMoesgaard Museum, südlich von Aarhus
  • Neubau eröffnetOktober 2014, Henning Larsen Architects
  • Grauballe-Mann gefunden26. April 1952, Nebelgård-Mose
  • Datierungnach Angaben des Museums um 390 vor Christus
  • Zeitspanne der AusstellungSteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und Wikingerzeit
  • Ideale Dauer3 bis 4 Stunden, mit Anfahrt ein halber Tag

Der Grauballe-Mann: ein Fund, kein Exponat

Ein Torfstecher stieß im April 1952 auf rotes Haar im Moor. Was er freilegte, war ein Mann mit Haut, Haaren, Nägeln, Zähnen und erkennbaren Gesichtszügen, konserviert vom sauren, sauerstoffarmen Moorwasser. Seit 1955 ist er ausgestellt. Die Untersuchungen zeigen einen Bruch am rechten Schienbein kurz vor dem Tod und einen Schnitt durch den Hals, also einen gewaltsamen Tod, der in der Forschung meist als Opferhandlung gedeutet wird.

Das Museum stellt ihn in einem dunklen, stillen Raum aus, in dem man von allen Seiten an ihn herantreten kann. Das ist bewusst so gebaut, und es lohnt sich, dort länger zu bleiben als geplant. Es geht hier um einen Menschen, nicht um ein Fundstück, und das merkt man dem Raum an.

Was sonst in der Vorgeschichtsausstellung steht

Die große Dauerausstellung führt von der Steinzeit über Bronze- und Eisenzeit bis in die Wikingerzeit. Aus der Steinzeit kommen Flintbeile, Bernstein, ein Einbaum und Skelettfunde, die Bronzezeit dreht sich um Sonnenverehrung und zeigt unter anderem die Grabfunde von Borum Eshøj. Der Eisenzeit ist der größte Teil gewidmet, mit einem eigenen Saal für Illerup Ådal: dort wurde die Ausrüstung einer geschlagenen Armee als Opfer im Moor versenkt, und die Menge an Waffen, Schilden und Beschlägen macht anschaulich, wie groß solche Kämpfe waren.

Die Wikingerabteilung behandelt die Zeit von etwa 800 bis 1066 mit Schwerpunkt auf Aros, also der Siedlung, aus der Aarhus wurde. Wer sich für dieses Kapitel interessiert, findet den größeren Zusammenhang unter Wikinger in Dänemark.

Das Gebäude und das Dach

Der Bau von 2014 verschwindet halb im Hang, und das begrünte Dach steigt vom Boden aus an, sodass du von der Wiese direkt hinaufgehen kannst. Von oben siehst du über die Wälder bis zur Bucht. Im Winter wird die Schräge zur Rodelbahn, im Sommer liegen dort Leute in der Sonne. Der Dachweg ist frei zugänglich, du brauchst dafür kein Ticket.

Auch der Weg zum Eingang gehört zum Entwurf. Du gehst außen an der Schräge entlang oder über sie hinweg und betrittst das Haus dort, wo Landschaft und Dach zusammenlaufen. Innen liegen die Säle als abgesenkte Ebenen hintereinander, mit Tageslicht aus Höfen; deshalb wirkt das Gebäude trotz seiner Größe nicht wie ein Kasten.

Anfahrt: es liegt nicht in der Stadt

Das ist der Punkt, an dem die meisten Tagespläne kippen. Moesgaard liegt außerhalb, angebunden mit Stadtbussen ab dem Zentrum, und die Fahrt dauert. Rechne Hin- und Rückweg als eigenen Posten ein, dann wird aus dem Museum ein halber Tag und nicht ein Nachmittagsausflug zwischendurch. Welche Linie gerade fährt und ob es eine Sommerlinie gibt, steht unter Verkehr in Aarhus.

Wenn du mit dem Auto kommst, verbinde den Besuch mit dem alten Herrenhaus Moesgaard Hovedgård gleich daneben und dem Weg hinunter zum Moesgaard Strand. Zwischen Museum und Strand liegt ein Pfad mit nachgebauten vorgeschichtlichen Anlagen, das ist eine gute halbe Stunde Fußweg durch den Wald.

Zeit, Reihenfolge und Kombination

Drei bis vier Stunden im Haus sind realistisch, mit Anfahrt ein halber Tag. Kombiniere Moesgaard deshalb nicht mit Den Gamle By am selben Tag, sondern mit Strand und Wald. Wie sich das in einen Zwei-Tage-Plan einfügt, steht unter Aarhus Sehenswürdigkeiten; weitere Ziele im Umland findest du unter Aktivitäten ab Aarhus und im Überblick zu Aarhus.

Wer im Sommer kommt, packt Badezeug ein. Der Moesgaard Strand liegt am Ende des Waldwegs, und die Kombination aus Eisenzeit am Vormittag und Ostsee am Nachmittag ist der beste Grund, hier einen ganzen Tag anzusetzen statt einen halben.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDer Raum mit dem Grauballe-Mann ist klein und wird bei Gruppen schnell voll. Geh ihn früh oder gegen Ende an und nutze die Zeit dazwischen für die Bronzezeit, die fast immer freier ist.
  • Wenn es regnetFast alles liegt drinnen, der Regen trifft nur den Dachweg und den Waldpfad zum Strand. Bei Dauerregen streichst du beides und bleibst länger in der Eisenzeitausstellung, ohne etwas Wesentliches zu verlieren.
  • Mit KindernDas Grasdach ist die beste Pause, die ein Museum bieten kann, im Winter mit Schlitten. Drinnen ziehen Waffen und Schilde; den Raum mit der Moorleiche kannst du auslassen, wenn du ihn deinem Kind nicht zumuten willst.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Ausstellungshaus ist über Rampen und Aufzüge erschlossen und innen gut befahrbar. Der Dachweg ist eine längere Schräge, der Waldpfad zum Strand ist nicht befestigt und fällt für Rollstuhl und Rollator aus.

Häufige Fragen

Wie alt ist der Grauballe-Mann?

Das Museum datiert ihn auf die Zeit um 390 vor Christus, also in die vorrömische Eisenzeit. Beim Tod war er nach Angaben des Museums vierunddreißig Jahre alt. Gefunden wurde er am 26. April 1952 in der Nebelgård-Mose; ausgestellt ist er seit 1955.

Wie komme ich ohne Auto hin?

Mit dem Stadtbus vom Zentrum aus. Das dauert länger als der Weg zu den Museen in der Innenstadt, deshalb solltest du die Fahrt als eigenen Zeitposten einplanen. Welche Linien und Sommerverbindungen es gibt, wechselt saisonal, prüfe das vorher bei der Verkehrsgesellschaft.

Kann ich das Dach ohne Ticket betreten?

Ja, der Dachweg ist frei zugänglich und beginnt ebenerdig an der Wiese. Er lohnt sich auch dann, wenn du nur wenig Zeit hast, denn der Blick über Wald und Bucht ist der zweite Grund, warum dieses Gebäude gebaut wurde.

Ist das Museum für Kinder geeignet?

Ja, mit einer Einschränkung. Waffen, Schilde und die nachgestellten Szenen funktionieren gut, das Dach zum Toben ebenso. Der Raum mit der Moorleiche ist für manche Kinder zu viel; du kannst ihn umgehen, ohne den Rest zu verpassen.