Syddanmark · Ribe

Ribe Sehenswürdigkeiten

Ribe ist die älteste Stadt Dänemarks, und sie ist winzig. Der historische Kern misst kaum mehr als ein paar hundert Meter in jede Richtung, und fast alles Wichtige liegt in Gehweite vom Dom. Die zweite Hälfte der Sehenswürdigkeiten liegt außerhalb: das Wikingerzentrum im Süden, die Kammerschleuse im Westen, das Wattenmeer dahinter.

Diese Liste ist nach Lage sortiert, nicht nach Rang. Am Ende steht, was in einen Tag passt, was einen zweiten braucht und was du ohne schlechtes Gewissen weglassen kannst.

Ribe Sehenswürdigkeiten
Foto: Ludvig14, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Ältestes DatumMarktplatz um 705, Stadt erstmals 855 erwähnt
  • Wichtigster BauDom, begonnen um 1150, Bürgerturm 1333
  • KlosteranlageSankt Catharinæ, 1228 gegründet
  • Altes Rathaus1496, bis 2007 in Gebrauch
  • Ideale Dauer1 Tag Stadt, 2 Tage mit Watt und Wikingerzentrum

Rund um den Torvet

Dom zu Ribe

Der Bau, um den alles kreist. Begonnen um 1150 aus rheinischem Tuffstein, romanisch angefangen und gotisch weitergebaut, mit Kapellen ab 1300. Der Bürgerturm wurde 1333 fertig, ist 62 Meter hoch und hat 248 Stufen. Von oben siehst du die Marsch, die Deichlinie und bei klarer Luft das Wattenmeer. Alles Weitere unter Dom zu Ribe.

Det Gamle Rådhus

Das alte Rathaus von 1496 ist einer der ältesten erhaltenen Rathausbauten Dänemarks und diente von 1708 bis 2007 tatsächlich als Rathaus der Stadt. Heute ist es Museum. Der Bau ist klein, gestuft und aus rotem Ziegel, und er zeigt, wie bescheiden eine dänische Marktstadt im Spätmittelalter gebaut hat.

Sankt Catharinæ Kirke og Kloster

Die Dominikaner gründeten hier 1228 ein Kloster, das bis zur Reformation 1536 bestand. Was übrig ist, gilt als die vollständigste erhaltene Klosteranlage Dänemarks: Kirche, Kreuzgang und Klosterflügel stehen noch zusammen. Der Kreuzgang ist begehbar und der stillste Ort der Stadt, vor allem am frühen Morgen.

Nach der Reformation wurde die Anlage weitergenutzt, unter anderem als Hospital, und gerade weil sie nie leer stand, ist sie nie verfallen. Wer in Dänemark sonst ein Kloster sucht, findet meistens Ruinen oder eine einzelne Kirche; hier steht der Zusammenhang noch.

Die schiefen Kaufmannshäuser

Ribe steht auf Marschboden, und Marschboden sackt. Deshalb stehen ganze Häuserzeilen leicht schief, mit gekippten Fensterreihen und Türen, die nicht im Lot sind. Das ist kein Verfall, sondern das sichtbare Ergebnis von Jahrhunderten auf weichem Untergrund. Achte darauf in den Gassen zwischen Torvet und Fluss.

Denkmal für Maren Spliid

Am 9. November 1641 wurde Maren Spliid auf dem Galgenhügel nördlich der Stadt als Hexe verbrannt; sie gehört zu den letzten Frauen, die in Dänemark deswegen hingerichtet wurden. Ihr Prozess ist ungewöhnlich gut dokumentiert, und in Ribe erinnert ein Denkmal an sie. Wer sich mit dem Thema befassen will, findet im Kaufmannshof Quedens Gård eine Ausstellung dazu.

Die Museen der Stadt

Museet Ribes Vikinger

Das Stadtmuseum steht am Ort der Gründung und erzählt Ribe von der Wikingerzeit über das Mittelalter bis um 1700. Hier siehst du die Funde aus dem Boden, also die Grundlage, auf der draußen rekonstruiert wird. Geh zuerst hierhin und danach ins Freigelände, nicht umgekehrt.

Ribe Kunstmuseum

Eines der ältesten Kunstmuseen Dänemarks, 1891 eröffnet in der 1864 fertiggestellten Villa des Fabrikanten Balthazar Giørtz. Gezeigt wird dänische Malerei vom 18. Jahrhundert bis in die Zwischenkriegszeit, dazu der Garten am Fluss. Mehr unter Ribe Kunstmuseum.

Quedens Gård

Ein alter Kaufmannshof am Rand des Kerns, der heute zwei Ausstellungen beherbergt. Die eine gilt Jacob A. Riis, dem 1849 in Ribe geborenen Journalisten und Sozialreformer, der in New York die Wohnverhältnisse der Armen fotografierte und damit Politik veränderte. Die andere behandelt Hexenverfolgung.

Ribe VikingeCenter

Zwei Kilometer südlich, seit 1992 auf dem Gelände Lustrupholm. Rekonstruiert sind der Marktplatz um 710, die Stadt um 825 und ein Hof um 980, alles auf Grundlage von Grabungen in und um Ribe. Betrieb nur in der Saison, siehe Ribe VikingeCenter.

Wasser, Deich und Landschaft

Stormflodssøjlen

Die Sturmflutsäule am Fluss wurde 1922 aufgestellt und trägt Ringe für die großen Fluten. Der oberste steht für 1634, als das Wasser mehr als sechs Meter über Normalstand stieg und in der Region Tausende Menschen ertranken. Auf Dänisch heißt diese Flut „den anden store manddrukning“. Fünf Minuten, und du verstehst die Stadt anders.

Die Museumshafen an der Ribe Å

Am Fluss unterhalb der Altstadt liegt der historische Hafen. Ribe war jahrhundertelang Seehafen, bis die Ribe Å versandete und Esbjerg ab 1868 den Verkehr übernahm. Heute liegen dort historische Schiffe, und der Uferweg führt aus der Stadt hinaus in die Marsch.

Ribediget und Kammerslusen

Nach der Sturmflut von 1909 entstand von 1911 bis 1915 ein rund fünfzehn Kilometer langer Seedeich, dazu 1912 die Kammerschleuse an der Mündung. Sie schließt bei Sturmflut und gleicht sonst den Tidenhub von rund zwei Metern aus. Rund zehn Kilometer westlich der Stadt, mit dem Rad gut erreichbar und der beste Ort für das Gefühl von Weite.

Nationalpark Vadehavet

Der Nationalpark wurde am 16. Oktober 2010 eingeweiht, der dänische Teil des Wattenmeers 2014 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Wattwanderungen nur mit Führung, Gezeiten beachten. Alles dazu unter Wattenmeer ab Ribe.

Lebendige Traditionen

Nachtwächter-Rundgang

Die echte Wächtertradition endete 1902, seit 1935 geht ein Nachtwächter mit Laterne und Morgenstern als Rundgang durch die Gassen, unterbrochen nur in den Kriegsjahren. Termine sind saisonal und bei der Touristinformation zu erfragen, siehe Nachtwächter-Rundgang.

Die Störche auf den Dächern

Der Weißstorch galt 2008 in Dänemark als ausgestorbener Brutvogel und kehrt seither langsam zurück. Ribe ist einer der Orte, an denen Nester auf Dächern stehen. Eine Sichtung lässt sich nicht versprechen, siehe Ribe und die Störche.

Der schwarze Sonne genannte Vogelzug

Im Frühjahr und im Herbst sammeln sich Stare in großer Zahl über den Marschwiesen und fliegen in dichten Schwärmen. Das Phänomen heißt auf Dänisch „sort sol“, schwarze Sonne. Es hängt vom Wetter und vom Zugverlauf ab, feste Termine gibt es nicht, und Anbieter, die eine Garantie geben, versprechen zu viel.

Ziele im Umland, wenn du länger bleibst

Mandø

Die kleinste bewohnte Wattenmeerinsel Dänemarks liegt westlich von Ribe und ist nur bei Niedrigwasser über eine Wattstraße zu erreichen. Wer mit dem eigenen Auto hinüberfährt, muss die Gezeiten selbst im Blick behalten; Fahrten mit dem Wattbus nehmen einem diese Rechnung ab. Auf der Insel gibt es kaum Infrastruktur, und genau das ist der Punkt.

Rømø

Rund 30 Kilometer südwestlich, über einen Damm ohne Fähre erreichbar. Rømø hat einen der breitesten Strände Nordeuropas, so breit, dass dort Autos fahren dürfen. Als Gegenprogramm zur dichten Altstadt von Ribe funktioniert die Insel gut, besonders an windigen Tagen mit Drachen und Strandsegeln.

Esbjerg

Rund 30 Kilometer nördlich liegt Esbjerg, das erst ab 1868 als Hafen für den Viehexport nach England angelegt wurde und damit der jüngere Gegenpol zu Ribe ist. Von dort fährt die Fähre nach Fanø, das ohne Boot nicht erreichbar ist. Zwei Städte, elfhundert Jahre Abstand, dreißig Kilometer Strecke.

Was in einen Tag passt und was wegfällt

Ein Tag: morgens Dom und Bürgerturm, danach Kloster und altes Rathaus, mittags Stadtmuseum oder Kunstmuseum, nachmittags die Sturmflutsäule und der Uferweg, abends der Nachtwächter. Das ist ein voller, aber machbarer Tag ohne Auto und ohne Hetze.

Ein zweiter Tag gehört dem Umland: VikingeCenter am Vormittag, Kammerschleuse und Deich am Nachmittag, oder stattdessen eine geführte Wattwanderung. Beides an einem Tag geht nicht, weil die Wattzeiten von der Tide bestimmt werden und nicht vom Kalender.

Weglassen kannst du ohne Verlust: das VikingeCenter, wenn du außerhalb der Saison kommst, denn dann steht die Anlage leer. Ebenso den Turmaufstieg bei tiefen Wolken, weil der Fernblick der einzige Grund dafür ist. Wer nur wenige Stunden hat, nimmt Dom, Kloster und Sturmflutsäule und lässt die Museen weg.

Ein Hinweis zur Reihenfolge: Fast alle Innenziele haben saisonal wechselnde Zeiten, und im Winter ist ein Teil der Stadt geschlossen. Der Dom bleibt offen, das Wattenmeer bleibt da, aber Nachtwächter und Wikingerzentrum fallen weg. Prüfe das vor der Anreise, sonst planst du einen Tag um Angebote herum, die es an diesem Datum nicht gibt. Wie du herkommst und wo du parkst, steht unter Verkehr und Anreise, die Stadt selbst unter Ribe.

Häufige Fragen

Was muss man in Ribe unbedingt gesehen haben?

Den Dom mit dem Bürgerturm und die Klosteranlage von Sankt Catharinæ. Beides zusammen dauert keine drei Stunden und deckt achthundert Jahre Baugeschichte ab. Wenn dann noch Zeit ist, geh zur Sturmflutsäule am Fluss.

Reicht ein Tag für Ribe?

Für den Stadtkern ja, der ist klein. Wikingerzentrum, Kammerschleuse und Wattenmeer brauchen einen zweiten Tag, und die Wattzeiten richten sich nach der Tide, nicht nach deinem Zeitplan.

Was lohnt sich mit Kindern?

Das VikingeCenter in der Saison, weil dort gearbeitet und vorgeführt wird, und der Nachtwächter-Rundgang am Abend. Der Turmaufstieg funktioniert bei größeren Kindern gut. Museumsräume und Kreuzgang sind eher etwas für Erwachsene.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Im August liegt die mittlere Tageshöchsttemperatur bei 20,5 Grad, der Oktober ist mit rund 110 Millimetern der nasseste Monat, der April mit etwa 59 Millimetern der trockenste. Mai bis September sind die verlässlichen Monate; außerhalb dieser Zeit sind Nachtwächter, VikingeCenter und viele Wattführungen nicht im Betrieb.