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Schlösser & Herrenhäuser in Dänemark

Dänemarks bekannteste Schlösser stammen fast alle aus einem knappen Jahrhundert. Zwischen der Mitte des 16. und der Mitte des 17. Jahrhunderts bauten Frederik II. und vor allem Christian IV. in einem Tempo, das sich nur erklärt, wenn man weiß, woher das Geld kam: aus dem Zoll, den jedes Schiff im Øresund zahlen musste, bis er 1857 abgeschafft wurde.

Was du erwarten solltest: Diese Häuser sind keine Märchenkulissen, sondern Repräsentationsbauten mit einer sehr konkreten Botschaft. Fast jedes hat einen Brand hinter sich, und was du innen siehst, ist deshalb oft Wiederaufbau. Das ist kein Makel, sondern der eigentliche Stoff: Wer hat wann was wiederhergestellt, und warum genau so.

Schlösser & Herrenhäuser in Dänemark
Foto: randreu, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • KronborgUmbau 1574 bis 1585, UNESCO seit 2000
  • FrederiksborgGut 1560 gekauft, Brand 1859, Museum seit 1878
  • Rosenborg1606 bis 1624, seit 1838 öffentlich zugänglich
  • Egeskov1554, auf Eichenpfählen in einem See
  • Koldinghus13. Jahrhundert, Brand 1808, Umbau 1976 bis 1993
  • Ideale Dauer1 großes Schloss pro Tag, 2 nur bei kurzen Wegen

Warum so viele Schlösser aus derselben Zeit stammen

Der Øresundzoll floss vom 15. Jahrhundert bis 1857 direkt in die königliche Kasse. In der Renaissance war er die verlässlichste Einnahmequelle Nordeuropas, und die Könige bauten damit. Frederik II. ließ Kronborg zum Schloss umbauen, sein Sohn Christian IV. errichtete Frederiksborg und Rosenborg und dazu halb Kopenhagen. Wenn dir die Häuser verwandt vorkommen, liegt das an dieser gemeinsamen Herkunft: niederländische Renaissance, roter Backstein, Sandsteinbänder, Kupferdächer, Türme mit Zwiebelhauben.

Der Adel baute parallel, aber kleiner und wehrhafter. Ein dänisches Herrenhaus des 16. Jahrhunderts steht typischerweise im Wasser, mit Graben oder auf einer Insel, weil die Zeit der Reformation und der Bauernaufstände unruhig war. Egeskov ist das deutlichste Beispiel dafür.

Kronborg: eine Zollburg, die Weltliteratur wurde

Kronborg steht an der engsten Stelle des Øresunds, weil dort die Kanonen jedes Schiff erreichten. Der Vorgängerbau Krogen entstand im frühen 15. Jahrhundert, zwischen 1574 und 1585 machte Frederik II. daraus ein Renaissanceschloss. In der Nacht vom 24. auf den 25. September 1629 brannte es fast vollständig aus; nur die 1582 geweihte Kapelle blieb verschont, weil ihre Gewölbe hielten. Der Ballsaal von 1582 misst 62 mal 12 Meter. Seit 2000 steht die Anlage auf der UNESCO-Welterbeliste.

Shakespeare war nie dort. Er brauchte um 1600 einen Ort, der für dänische Macht stand. Was du im Detail siehst, steht auf der Seite zu Schloss Kronborg.

Frederiksborg: der Brand von 1859 und ein Bierbrauer

Frederik II. kaufte das Gut 1560. Das heutige Schloss ließ sein Sohn Christian IV. errichten, der 1577 hier geboren wurde. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1859 brannte es. Den Wiederaufbau finanzierte der Carlsberg-Gründer J. C. Jacobsen, geleitet wurde er von Ferdinand Meldahl. Aus dieser Verbindung entstand das Nationalhistorische Museum, gegründet 1878.

Es ist bis heute vor allem eine Porträtsammlung: Du gehst durch dänische Geschichte in Gesichtern statt durch möblierte Wohnräume. In der Schlosskirche steht die Compenius-Orgel von 1610. 1720 wurde hier der Frieden von Frederiksborg geschlossen, und im selben Jahr begann Johan Cornelius Krieger mit dem Barockgarten, den er bis 1725 anlegte und der zwischen 1993 und 1996 wiederhergestellt wurde. Das Schloss liegt in Hillerød und ist als Tagesausflug ab Kopenhagen gut erreichbar.

Rosenborg: das Haus mit den Kronregalien

Rosenborg entstand zwischen 1606 und 1624 als Lustschloss Christians IV. am Rand der damaligen Stadt, heute mitten in Kopenhagen im Königsgarten. Seit 1838 ist es zugänglich. Der Unterschied zu Frederiksborg ist wichtig für die Planung: Rosenborg ist klein, eng und voll. Die Räume folgen chronologisch aufeinander, im Keller liegen die Kronregalien.

Wer den Bau von 1624 sehen will, muss nach oben in den Langen Saal mit den Silbermöbeln und dem Thronstuhl. Rechne mit Gedränge auf den Treppen und plane eher kurz. Mehr dazu auf der Seite zu Schloss Rosenborg.

Egeskov: gebaut auf Eichenpfählen im See

Egeskov auf Fünen wurde 1554 von Frands Brockenhuus errichtet, mitten in einen kleinen See gesetzt und auf Eichenpfähle gegründet. Der Name heißt Eichenwald, und die Überlieferung erklärt ihn damit, dass für die Pfähle ein ganzer Wald draufging. Das Wasser um das Haus ist an der tiefsten Stelle etwa fünf Meter tief.

Heute ist Egeskov ein Betrieb mit mehreren Sammlungen, darunter Fahrzeuge und Landtechnik, dazu ein großer Garten. Für Familien ist das ein Vorteil, für Architekturinteressierte manchmal Ablenkung. Wer nur das Haus sehen will, geht zuerst außen um den See und danach hinein. Details stehen auf der Seite zu Schloss Egeskov.

Koldinghus: die Ruine, die Ruine bleiben durfte

Koldinghus in Kolding geht auf das 13. Jahrhundert zurück und sicherte die Südgrenze des Reiches. 1808 brannte es aus, während spanische und französische Truppen einquartiert waren, und blieb danach jahrzehntelang Ruine. Zwischen 1976 und 1993 bauten Inger und Johannes Exner es wieder auf, aber nicht historisierend: Neue Teile aus Holz, Stahl und Ziegel stehen sichtbar neben dem alten Mauerwerk, und man erkennt jederzeit, was alt und was neu ist. 1993 bekam das Projekt einen Europa-Nostra-Preis.

Für viele ist das der interessanteste Schlossbesuch des Landes, gerade weil er nicht so tut, als sei nichts passiert. Wer Prunkräume erwartet, wird hier allerdings enttäuscht.

Christiansborg und Amalienborg: Schlösser im Dienst

Zwei Kopenhagener Anlagen fallen aus der Reihe, weil sie nicht Museum geworden sind, sondern weiterarbeiten. Christiansborg beherbergt Parlament, Oberstes Gericht und Repräsentationsräume gleichzeitig; unter dem Bau liegen die freigelegten Fundamente der Vorgängerburgen, und der Turm ist der höchste der Stadt. Amalienborg wiederum besteht aus vier gleichartigen Palais um einen achteckigen Platz und ist bewohnt.

Für die Planung heißt das: Bereiche können kurzfristig geschlossen sein, wenn Staatsbesuch, Sitzung oder Zeremonie stattfinden. Das ist kein Ärgernis, sondern der Grund, warum diese Häuser lebendiger wirken als jedes Museum. Prüfe den Zugang am Reisetag, nicht in der Woche davor.

Die Parforcejagdlandschaft: Welterbe im Wald

Nördlich von Kopenhagen steht seit 2015 eine Landschaft auf der UNESCO-Welterbeliste, die man leicht übersieht, weil sie kein Gebäude ist: die Parforcejagdlandschaft aus Store Dyrehave, Gribskov und Jægersborg Dyrehave. Store Dyrehave wurde zwischen 1619 und 1628 ummauert, und 1680 ließ Christian V. das strenge Sternwegesystem anlegen, mit dem die höfische Hetzjagd organisiert wurde.

Im Gelände erkennst du das an schnurgeraden Schneisen, die sternförmig auf Kreuzungspunkte zulaufen, und an nummerierten Steinen an den Kreuzungen. Es ist absolutistische Ordnungslogik, in Wald gezeichnet, und sie funktioniert bis heute als Wegenetz. Für einen Spaziergang zwischen zwei Schlossbesuchen ist das die passendste Ergänzung, die Nordseeland zu bieten hat.

Herrenhäuser: das Land hinter den Schlössern

Neben den königlichen Bauten steht eine große Zahl adliger Herrenhäuser, oft mit Wassergraben, Allee und Wirtschaftshof. Viele sind bis heute bewohnt und deshalb nur teilweise oder gar nicht zugänglich; manche öffnen nur Park und Hof. Das ist kein Versehen, sondern Privatbesitz, und du merkst es an fehlenden Schildern und knappen Öffnungszeiten.

Sinnvoll ist die Kombination mit der Landschaft. Auf Fünen liegen die Häuser dicht beieinander und lassen sich mit dem Rad verbinden; auf Seeland sind die Wege länger. Rechne damit, dass du bei zwei Herrenhäusern am Tag mehr Zeit im Auto als im Haus verbringst.

Wie viele Schlösser an einen Tag passen

Eines. Alles andere ist Rechenkunst. Kronborg mit Kapelle und Kasematten füllt zwei bis drei Stunden, Frederiksborg mit Museum und Barockgarten mindestens ebenso viel, und dazwischen liegt eine Fahrt. Zwei Häuser klappen nur, wenn eines davon klein ist, etwa Rosenborg am Vormittag und ein Museumsbesuch am Nachmittag.

Prüfe vor der Fahrt, ob Innenräume, Kapelle, Turm oder Keller getrennt geöffnet sind, ob eine Führung nötig ist und ob Bauarbeiten Bereiche sperren. Diese Angaben ändern sich mit der Saison, deshalb stehen sie nur auf den offiziellen Seiten verlässlich. Gezahlt wird in dänischen Kronen, Karte funktioniert überall.

Häufige Fragen

Welches dänische Schloss lohnt sich am meisten, wenn ich nur eines schaffe?

Kommt darauf an, was dich interessiert. Für Architektur und Geschichte in einem Stück ist Kronborg die klarste Wahl, weil sich Zoll, Festung und Renaissance dort gegenseitig erklären. Für Malerei und dänische Geschichte im Überblick ist Frederiksborg stärker. Für einen einzigen kurzen Besuch in Kopenhagen selbst passt Rosenborg am besten.

Warum sind so viele dänische Schlösser abgebrannt?

Weil sie mit Holzdecken, offenen Feuerstellen und Kaminen gebaut waren und über Jahrhunderte bewohnt wurden. Kronborg brannte 1629, Frederiksborg 1859, Koldinghus 1808 während einer Einquartierung. Was du heute siehst, ist deshalb häufig Wiederaufbau, und die Wiederaufbauten sagen oft mehr über das 19. und 20. Jahrhundert als über die Bauzeit.

Kann ich Herrenhäuser einfach besichtigen?

Meist nicht. Viele sind privat bewohnt, und selbst wenn Park oder Hof offen sind, bleibt das Haus geschlossen. Prüfe das vorher, sonst stehst du vor einer Allee mit Schranke. Wo nur der Park zugänglich ist, lohnt sich der Halt trotzdem, aber plane ihn als kurzen Stopp und nicht als Programmpunkt.

Sind die Schlösser barrierefrei zugänglich?

Nur teilweise. Renaissancebauten haben enge Wendeltreppen, hohe Schwellen und Keller ohne Aufzug; Kasematten und Türme sind fast nie zugänglich. Erdgeschosse, Höfe und Gärten funktionieren dagegen oft gut. Kläre den konkreten Zugang vorab beim Haus selbst, weil sich das mit Bauarbeiten ändert.