Midtjylland · Aarhus

Aarhus Domkirke: Dänemarks längste Kirche

Die Domkirche von Aarhus heißt eigentlich Sankt Clemens Kirke, nach dem Schutzpatron der Seefahrer, und das passt zu einer Stadt, die vom Wasser lebte. Gebaut wurde ab den 1190er Jahren unter Bischof Peder Vognsen, der 1191 ins Amt kam. Der romanische Bau aus rotem Ziegel war erst um 1300 fertig; ein Brand 1330 zerstörte das Dachwerk, und der anschließende gotische Umbau zog sich von etwa 1420 bis in die 1480er Jahre.

Das Ergebnis ist mit 93 Metern die längste und mit einem 96 Meter hohen Turm die höchste Kirche Dänemarks. Beides ist keine Angeberei, sondern Folge dieses Umbaus: der Chor wurde von 1467 bis 1471 als gotischer Hochchor neu aufgeführt, der Westturm um 1477 vollendet.

Aarhus Domkirke: Dänemarks längste Kirche
Foto: Ciara Ní Riain, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameAarhus Domkirke, Sankt Clemens Kirke
  • Baubeginn1190er Jahre unter Bischof Peder Vognsen
  • Romanischer Bau fertigum 1300
  • Gotischer Umbauetwa 1420 bis in die 1480er Jahre
  • FlügelaltarWerkstatt Bernt Notke, geweiht 1479
  • Maße93 Meter lang, Turm 96 Meter hoch

Warum diese Kirche so lang ist

Der erste Bau war eine romanische Basilika, geplant als Bischofskirche für ein Bistum, das den Handel an der Aarhusbucht kontrollierte. Roter Ziegel war um 1160 ein noch neues Baumaterial in Dänemark, und die Kirche gehört zu den frühen Beispielen dafür. Im nördlichen Querschiff sind vier romanische Kapellenbögen erhalten; das ist der älteste sichtbare Teil des Hauses.

Die Länge entstand erst im Spätmittelalter. Beim gotischen Umbau wurde das Mittelschiff erhöht, es kamen Stern- und Kreuzgewölbe hinein, und der Chor wurde als dreischiffiger Hallenchor mit hohen Spitzbogenfenstern neu gebaut. Der Raum wirkt deshalb heller als die meisten dänischen Kirchen, und er zieht sich, wenn du am Westportal stehst, sehr weit nach Osten.

Der Altar von 1479: das eigentliche Hauptstück

Der Flügelaltar entstand in der Lübecker Werkstatt von Bernt Notke und wurde 1479 geweiht; gestiftet hat ihn Bischof Jens Iversen Lange, dessen Bildnis auf einer der Seiten auftaucht. Es ist ein Wandelaltar, er lässt sich also zu verschiedenen Bildfolgen aufklappen, sodass die Kirche im Lauf des Kirchenjahrs unterschiedliche Ansichten zeigt. Zu sehen sind unter anderem Sankt Clemens im Papstgewand, Johannes der Täufer, Anna Selbdritt, die zwölf Apostel auf den Flügeln und acht Passionsbilder von Gethsemane bis zur Auferstehung.

Der Altar ist der größte seiner Art in Dänemark, mit Blattgold von 23,5 Karat auf den Schnitzfiguren. Bei einer Restaurierung kamen auf den Rückseiten Malereien zum Vorschein, die vorher niemand kannte. Wenn du nur zehn Minuten hast, verbringe sie hier und nicht mit dem Turm.

Kalkmalereien und die größte Orgel des Landes

Wände und Gewölbe tragen mittelalterliche Kalkmalereien in großer Fläche. Die Motive sind konkret und lohnen das Suchen: der Erzengel Michael, der Seelen wiegt, Sankt Georg mit dem Drachen und wieder Sankt Clemens, der nach der Legende mit einem Anker ins Meer geworfen wurde. Nimm dir Zeit für die Gewölbe über dem Chor, dort steckt das meiste.

Die Hauptorgel hat 89 Register und ist damit die größte Kirchenorgel Dänemarks. Wenn geprobt oder gespielt wird, ändert das den Besuch vollständig. Frag am Eingang oder schau auf die Seite der Domgemeinde, ob an deinem Tag Musik ansteht.

Besuch: eine arbeitende Gemeindekirche

Der Dom ist kein Museum, sondern die Kirche einer Gemeinde. Es gibt Gottesdienste, Taufen und Trauerfeiern, und dann wird der Besucherverkehr eingeschränkt oder ganz eingestellt. Kopfbedeckung ab, Gespräche leise, Kamera ohne Blitz und nicht auf Menschen gerichtet, die dort sitzen, um zu sitzen. Die aktuellen Zugangszeiten stehen auf der offiziellen Seite und wechseln mit Jahreszeit und Kirchenjahr.

Die Kirche steht am Bispetorv, also mitten in der Stadt. Direkt nördlich beginnt das Latinerkvarteret mit seinem mittelalterlichen Straßennetz, zwei Minuten südlich liegt das Vikingemuseet unter einem Bankgebäude am Sankt Clemens Torv, dahinter die Åboulevarden am Fluss. Mehr zur Reihenfolge in der Stadt findest du unter Aarhus Sehenswürdigkeiten und im Überblick zu Aarhus.

Wie du den Dom sinnvoll einbaust

Zwanzig bis dreißig Minuten reichen für Raum, Altar und Kalkmalereien, wenn du gezielt schaust. Der Dom liegt so zentral, dass er sich nicht als eigenes Ziel eignet, sondern als Station auf dem Weg: davor oder danach passen Den Gamle By und ein Bummel durch die Innenstadt, und für den späten Nachmittag ist Dokk1 am Hafen zehn Gehminuten entfernt. Was an Regentagen sonst noch trägt, steht unter praktische Tipps.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istReisegruppen kommen gebündelt und bleiben kurz. Wenn im Mittelschiff gerade eine Führung steht, geh zuerst in den Chor und zu den Seitenkapellen und komm danach zum Altar zurück.
  • Wenn es regnetDer Besuch findet komplett drinnen statt, Regen ändert nichts. Zwei Minuten entfernt liegt das Vikingemuseet unter dem Bankgebäude am Sankt Clemens Torv, damit lässt sich ein Schauer gut überbrücken.
  • Mit KindernDer Altar mit seinen Klappflügeln und der Michael, der Seelen wiegt, funktionieren bei Kindern besser als der leere Raum. Sucht gemeinsam die Drachen und Teufel an den Gewölben, daraus wird eine Suchaufgabe statt einer Besichtigung.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Kirchenschiff ist ebenerdig und weitgehend ohne Stufen zugänglich, was den Dom zu einem der einfacheren Ziele in Aarhus macht. Der Turm ist nicht barrierefrei. Zugänge und Hilfen klärst du am besten vorab bei der Domgemeinde.

Häufige Fragen

Ist der Dom wirklich die größte Kirche Dänemarks?

Er ist die längste und die höchste. 93 Meter Länge und 96 Meter Turmhöhe erreicht keine andere dänische Kirche. Das heißt nicht, dass er in jeder Hinsicht der größte Kirchenraum des Landes ist; bei Fläche und Sitzplätzen liegen andere Kirchen näher dran. Länge und Turmhöhe sind die belegten Superlative, und beide beziehen sich auf Dänemark.

Wie viel Zeit brauche ich?

Zwanzig bis dreißig Minuten für den Raum, den Altar von 1479 und die Kalkmalereien. Wer die Motive an den Gewölben wirklich sucht, ist eine gute Stunde beschäftigt. Der Turm ist nicht der Grund für den Besuch, der Altar ist es.

Kann ich jederzeit hinein?

Nein. Es ist eine Gemeindekirche mit Gottesdiensten, Trauungen und Trauerfeiern, und in diesen Zeiten ist der Zugang eingeschränkt. Auch Konzerte und Proben können Bereiche sperren. Die Zeiten wechseln saisonal, prüfe sie vorher auf der offiziellen Seite.

Was unterscheidet den Dom von der Vor Frue Kirke?

Zwei ganz verschiedene Dinge. Der Dom ist der große spätgotische Bau am Bispetorv. Die Vor Frue Kirke ein paar Straßen weiter hat unter ihrem Chor eine Krypta von etwa 1060, die als ältester erhaltener Kirchenraum der nordischen Länder gilt. Sie war lange zugeschüttet, wurde in den 1950er Jahren freigelegt und 1957 wieder geöffnet. Wenn du beides sehen willst, plane für die Krypta zehn Minuten zusätzlich ein.