Syddanmark · Ribe

Dom zu Ribe

An dieser Stelle steht seit 855 eine Kirche. Damals erlaubte König Horik II. dem Missionar Ansgar, hier die erste Kirche Dänemarks zu bauen. Der heutige Dom wurde um 1150 begonnen; seine ältesten Teile stammen aus der Zeit von 1150 bis 1225, angebaut wurde bis ins frühe 14. Jahrhundert, und ab 1300 legten sich katholische Kapellen um den Bau.

Warum er anders aussieht als erwartet: Der Dom ist kein gotisches Nadelkissen, sondern ein schwerer, breiter Bau aus hellem Tuffstein. Das Material stammt aus dem Rheinland, weil die Marsch um Ribe keinen Stein liefert. Wer aus Deutschland kommt, erkennt diesen Stein sofort wieder, und genau das ist die Pointe des Gebäudes.

Dom zu Ribe
Foto: Arnoldius, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameRibe Domkirke, auch Vor Frue Kirke
  • VorgängerKirche seit 855, gebaut mit Erlaubnis von Horik II.
  • Heutiger Bau begonnenum 1150, älteste Teile 1150 bis 1225
  • Bürgerturm1333 fertig, 62 Meter hoch, 248 Stufen
  • Restaurierung1882 bis 1904 durch H.C. Amberg und Jacob Helms
  • Ideale Dauer1 bis 2 Stunden mit Turmaufstieg

Warum hier ein Dom aus rheinischem Stein steht

Ribe liegt in der Marsch, und die Marsch hat keinen Fels. Als um 1150 in Stein gebaut werden sollte, kam das Material deshalb über See: Tuff aus der Gegend um Köln, den Rhein hinunter und über die Nordsee bis zur Ribe Å. Dass ein dänischer Dom aus deutschem Vulkangestein besteht, ist kein Zufall, sondern eine logistische Entscheidung.

Das erklärt auch die Farbe. Der Bau wirkt hell und stumpf, nicht rot wie die späteren Backsteinkirchen des Landes. Wo im 12. Jahrhundert der Tuff ausging, ergänzte man ihn später mit Ziegel; an den Wänden sind beide Materialien nebeneinander zu sehen, wenn du weißt, worauf du achten musst.

Romanik und Gotik an einem einzigen Bau

Der Dom wurde über rund anderthalb Jahrhunderte gebaut, und in dieser Zeit wechselte die Baumode. Begonnen wurde romanisch, mit halbrunden Bögen und schweren Mauern; weitergebaut wurde gotisch, mit Spitzbögen und Gewölben. Abgerissen wurde dabei nichts, also stehen beide Epochen im selben Raum.

Wer das sehen will, geht einmal langsam durch das Mittelschiff und schaut auf die Bögen. Der Punkt, an dem sie sich verändern, ist die eigentliche Sehenswürdigkeit des Innenraums. Ab 1300 kamen ringsum katholische Kapellen dazu, die den Grundriss unruhiger machen, als er ursprünglich war.

Der Bürgerturm: 1283 eingestürzt, 1333 fertig

Kurz vor der Frühmesse am Weihnachtstag 1283 stürzte der Nordwestturm in die Kirche und auf die Straßen ringsum. Der Ersatzbau wurde 1333 fertig, 62 Meter hoch und mit einer kupfernen Haube gedeckt. Er heißt Borgertårnet, Bürgerturm, weil die Stadt und nicht das Domkapitel die oberen Geschosse nutzte, unter anderem als Archiv, Wachposten und im 17. Jahrhundert als Geschützstellung.

Hinauf führen 248 Stufen. Der Aufstieg ist eng, die Stufen sind uneben und teils ausgetreten, ein Handlauf ist nicht überall vorhanden. Oben steht man frei über der Marsch und sieht bei klarer Luft bis zum Wattenmeer, dazu die Deichlinie und die Inseln davor. Das ist der beste Überblick über die Landschaft, in der Ribe liegt.

Katzenkopfportal, Apsis und der gestiegene Boden

An der Nordseite liegt das sogenannte Katzenkopfportal aus dem späten 12. Jahrhundert, benannt nach den beiden Löwen am Fuß der flankierenden Säulen. Der bronzene Türzieher gehört zu den ältesten in Dänemark. Ein zweiter Blick lohnt: dieselbe Bildsprache aus Löwen und Drachen findest du an romanischen Portalen entlang des Rheins wieder.

Zwischen 1983 und 1987 gestaltete der dänische CoBrA-Maler Carl-Henning Pedersen die Apsis neu. Das ist die größte Überraschung des Hauses: Nach acht Jahrhunderten Stein blickst du auf leuchtende Farbflächen des 20. Jahrhunderts. Wer diese Malerei interessant findet, findet CoBrA auch im Kunstmuseum von Aalborg.

Warum du in die Kirche hinabsteigst

Seit dem Mittelalter ist das Straßenniveau um den Dom um rund anderthalb Meter gestiegen, weil Schutt, Aufschüttung und Marschboden die Stadt langsam angehoben haben. Der Dom ist nicht gesunken, die Umgebung ist gewachsen. Deshalb gehst du am Eingang mehrere Stufen hinunter, und deshalb litt das Mauerwerk unter der Feuchtigkeit.

Genau das war der Anlass der großen Restaurierung von 1882 bis 1904, geleitet vom Architekten H.C. Amberg gemeinsam mit dem Kunsthistoriker und Pfarrer Jacob Helms. Sie versuchten, die einzelnen Bauteile so weit wie möglich in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Was du heute siehst, ist deshalb mittelalterlich in der Substanz und im 19. Jahrhundert geordnet.

Zeit, Zugang und Kombination

Ein bis zwei Stunden reichen, mit Turmaufstieg eher zwei. Der Dom steht am Torvet, also mitten in der Altstadt; alles andere in Ribe liegt in Gehweite, vom Kunstmuseum bis zur Klosteranlage von Sankt Catharinæ. Öffnungszeiten und Turmzugang wechseln mit Saison und Gottesdiensten und stehen auf der offiziellen Seite. Alle weiteren Ziele findest du in der Übersicht der Ribe Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es an Sommervormittagen und wenn Reisegruppen den Turm ansteuern; die Treppe ist eng und lässt kaum Begegnungsverkehr zu. Geh zuerst durch den Innenraum und steig erst danach hinauf, oder komm am späten Nachmittag.
  • Wenn es regnetDer Innenraum trägt einen Regentag mühelos. Der Turm dagegen lohnt bei tiefen Wolken nicht, weil der Fernblick über die Marsch genau der Grund für den Aufstieg ist.
  • Mit KindernDer Aufstieg funktioniert bei größeren Kindern gut, weil es oben etwas zu entdecken gibt. Für kleinere ist die Treppe zu eng und zu lang; dann bleibt der Innenraum mit den bunten Flächen in der Apsis, die Kinder erfahrungsgemäß mehr interessieren als die Bögen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätZum Eingang geht es einige Stufen hinab, weil das Straßenniveau ringsum gestiegen ist. Der Innenraum selbst ist eben, der Turm ist ohne Aufzug und nicht barrierefrei. Wer eingeschränkt mobil ist, klärt den Zugang vorab auf der offiziellen Seite.

Häufige Fragen

Wie alt ist der Dom zu Ribe?

Der heutige Bau wurde um 1150 begonnen, die ältesten Teile stammen aus der Zeit von 1150 bis 1225, angebaut wurde bis ins frühe 14. Jahrhundert. Eine Kirche steht an dieser Stelle allerdings schon seit 855, als König Horik II. dem Missionar Ansgar erlaubte, hier die erste Kirche Dänemarks zu errichten.

Ist der Dom romanisch oder gotisch?

Beides, und das ist der Reiz. Begonnen wurde romanisch mit Rundbögen und schweren Mauern, weitergebaut wurde gotisch mit Spitzbögen und Gewölben. Da beim Weiterbau nicht abgerissen wurde, stehen beide Stile im selben Raum nebeneinander.

Lohnt sich der Turmaufstieg?

Ja, wenn du sicher auf den Beinen bist. 248 Stufen führen im 62 Meter hohen Bürgerturm nach oben, eng, uneben und ohne durchgehenden Handlauf. Von dort siehst du die Marsch, die Deichlinie und bei klarer Luft das Wattenmeer, und erst dann versteht man die Lage der Stadt.

Warum geht man Stufen hinunter, um in die Kirche zu kommen?

Weil die Stadt gestiegen ist, nicht der Dom gesunken. Seit dem Mittelalter hat sich das Straßenniveau ringsum um rund anderthalb Meter erhöht. Die dadurch entstandene Feuchtigkeit im Mauerwerk war einer der Gründe für die Restaurierung von 1882 bis 1904.