Auf einen Blick
- Dänischer NameStrøget, fünf Straßen in Folge
- Länge1,1 Kilometer, Rathausplatz bis Kongens Nytorv
- Autofrei seit17. November 1962, dauerhaft ab 1964
- Ältester BrunnenCaritas-Brunnen von 1608 am Gammeltorv
- Storchenbrunnen1894 am Amagertorv
- Ideale Dauer2 bis 3 Stunden mit Nebenstraßen
Das Experiment von 1962 und was daraus wurde
Die Sperrung war zunächst ein Versuch, und der Handel fürchtete den Umsatzeinbruch. Wassard bekam dafür Morddrohungen. Was tatsächlich passierte, hat der Architekt Jan Gehl ab 1962 systematisch gezählt: Wie viele Menschen wo stehen bleiben, wie lange sie sitzen, wo sie umkehren. Aus diesen Zählungen wurde später die Kopenhagener Politik für Fußgänger und Radfahrer, die heute weltweit kopiert wird.
Deshalb lohnt es sich, Strøget nicht als Einkaufsstraße zu lesen, sondern als Versuchsanordnung. Die Bänke, die Plätze, die Breite der Gassen: All das ist Ergebnis von Beobachtung, nicht von Zufall.
Die Plätze sind die eigentlichen Räume
Die Achse selbst ist eng, die Plätze daran sind der Grund, langsamer zu gehen. Am Gammeltorv steht der Caritas-Brunnen von 1608, gestiftet von Christian IV., der älteste Brunnen Kopenhagens; er zeigt eine schwangere Mutter mit ihren Kindern als Sinnbild der Nächstenliebe. Am Geburtstag des Monarchen balancieren vergoldete Kugeln auf seinen Wasserstrahlen, eine Tradition aus dem 18. Jahrhundert.
Am Amagertorv steht der Storchenbrunnen von 1894, entworfen von Edvard Petersen und Vilhelm Bissen, ein Geschenk zur Silberhochzeit des Kronprinzenpaares. Er zeigt drei Störche im Moment des Auffliegens. Beide Plätze sind Treffpunkte, und wer hier zehn Minuten sitzt, sieht mehr von der Stadt als auf dem nächsten Kilometer.
Was über den Schaufenstern steht
Die Erdgeschosse sind austauschbar geworden, die Obergeschosse nicht. Über den Ladenfronten stehen Bürgerhäuser aus der Zeit nach den großen Bränden von 1728 und 1795, mit klassizistischen Fassaden, Gesimsen und Mansarddächern. Wer den Blick um zwei Stockwerke hebt, sieht eine geschlossene Stadtarchitektur, die auf Augenhöhe von Werbeflächen verdeckt wird.
Ein Gebäude fällt heraus: Am Amagertorv steht ein Renaissance-Kaufmannshaus von 1616, eines der wenigen Häuser der Innenstadt, das beide Stadtbrände überstanden hat. Es ist kein Zufall, dass es an dieser Stelle steht, denn Amagertorv war der Marktplatz, auf dem die Bauern der Insel Amager ihre Waren verkauften. Daher der Name.
Wo du abbiegen solltest
Die Hauptachse ist eine internationale Einkaufsstraße mit denselben Ketten wie überall. Interessant wird es in den Querstraßen. Parallel südlich verläuft der Straßenzug aus Kompagnistræde und Læderstræde, in Kopenhagen kurz Strædet genannt: enger, älter, mit kleineren Läden und Antiquariaten. Nördlich führt die Fiolstræde in Richtung Universitätsviertel, und die Købmagergade zieht vom Amagertorv weg zum Rundetårn.
Das Viertel westlich der Achse, im Volksmund Pisserenden, hat schmale Gassen und ist der Teil der Innenstadt, der am wenigsten nach Fußgängerzone aussieht. Wer eine Stunde Zeit hat und nicht einkaufen will, sollte sie dort verbringen statt auf Strøget selbst.
Touristische Fallen, nüchtern benannt
Am westlichen Ende, zwischen Rathausplatz und Gammeltorv, häufen sich Souvenirläden und Geschäfte mit Dauerrabatt. Das ist der schwächste Abschnitt der ganzen Strecke, und viele Besucher drehen dort um, ohne den besseren östlichen Teil gesehen zu haben. Geh die Achse deshalb lieber vom Kongens Nytorv aus westwärts.
Zwei praktische Hinweise: Erstens kreuzen Radwege die Fußgängerzone an mehreren Stellen, und dort wird schnell gefahren; die Regeln stehen bei Verkehr in Kopenhagen. Zweitens ist die Gegend um die Plätze bei Gedränge ein klassischer Ort für Taschendiebstahl. Bezahlt wird überall mit Karte, in dänischen Kronen; Euro-Bargeld nützt dir hier nichts.
Wie du die Altstadt sinnvoll abläufst
Ein guter Ablauf sind zwei bis drei Stunden: vom Kongens Nytorv über Østergade zum Amagertorv, dort in die Strædet-Gassen abbiegen, über den Højbro Plads zurück ans Wasser und hinüber nach Slotsholmen mit Christiansborg. Wer noch Zeit hat, hängt das Nationalmuseum an, das gleich hinter dem Kanal liegt. Die Gesamtroute für einen Tag steht bei den Kopenhagener Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istSamstagnachmittag und Adventszeit sind der Höhepunkt. Weiche in die Strædet-Gassen südlich der Achse aus, die parallel verlaufen und deutlich ruhiger sind, oder komm am frühen Vormittag, wenn die Läden gerade erst öffnen.
- Wenn es regnetDie Achse ist völlig offen, es gibt kaum Arkaden. Bei Regen sind die überdachten Passagen, das Nationalmuseum am südlichen Ende und der Rundetårn an der Købmagergade die nächstgelegenen Ausweichmöglichkeiten.
- Mit KindernDie Fußgängerzone selbst ermüdet Kinder schnell. Die beiden Brunnen, die Straßenmusiker an den Plätzen und der nahe Rundetårn mit seiner Rampe funktionieren deutlich besser als der Bummel.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Achse ist eben, aber durchgehend gepflastert und an Spitzenzeiten sehr voll. Die Plätze bieten Sitzgelegenheiten. Die Nebengassen haben teils grobes historisches Pflaster und schmale Bürgersteige.
Häufige Fragen
Ist Strøget die längste Fußgängerzone der Welt?
Nein. Diese Behauptung steht in vielen Reiseführern und stimmt nicht. Strøget ist 1,1 Kilometer lang; es gibt längere Einkaufsstraßen, etwa die George Street in Sydney mit rund zwei Kilometern, und auch die älteste Fußgängerzone der Welt ist sie nicht. Bemerkenswert ist sie als frühes, systematisch ausgewertetes Beispiel.
Welche Straßen gehören zu Strøget?
Vom Rathausplatz aus: Frederiksberggade, Nygade, Vimmelskaftet, Amagertorv und Østergade. Der Name Strøget steht auf keinem Straßenschild, er ist eine umgangssprachliche Sammelbezeichnung. Dazu kommen die anschließenden Fußgängerbereiche wie Købmagergade.
Lohnt sich Strøget, wenn man nicht einkaufen will?
Die Hauptachse nur bedingt, die Nebenstraßen sehr. Kompagnistræde und Læderstræde südlich der Achse sind enger, älter und kleinteiliger, und das Viertel westlich davon sieht überhaupt nicht nach Fußgängerzone aus. Rechne mit zwei bis drei Stunden für die Altstadt insgesamt.
Wann ist es auf Strøget am vollsten?
An Samstagnachmittagen und in der Weihnachtszeit, dazu an schönen Sommertagen zwischen Mittag und Feierabend. Am frühen Vormittag ist die Achse fast leer, und dann sieht man auch die Fassaden über den Schaufenstern, die den älteren Teil der Geschichte erzählen.





