Hovedstaden · Kopenhagen

Christiania: Regeln für deinen Besuch

Am 26. September 1971 wurde auf dem Gelände der aufgegebenen Kaserne Bådsmandsstræde in Christianshavn die Freistadt Christiania ausgerufen. Sie umfasst 7,7 Hektar auf der Insel Amager und hat rund 850 bis 1.000 Bewohner. Das Gelände liegt auf den alten Wällen von Christianshavn, weshalb zwischen den selbstgebauten Häusern noch Befestigungsanlagen aus dem 17. Jahrhundert stehen.

Das Wichtigste vorweg: Christiania ist kein Museum und kein Freizeitgelände, sondern ein Wohnviertel. Menschen leben hier, kochen hier, bringen hier ihre Kinder zur Schule. Wer das im Kopf behält, verhält sich automatisch richtig. Wer es vergisst, wird darauf hingewiesen.

Christiania: Regeln für deinen Besuch
Foto: Zairon, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Ausgerufen26. September 1971
  • VorherKaserne Bådsmandsstræde, Christianshavn
  • Fläche7,7 Hektar
  • Bewohnerrund 850 bis 1.000
  • RechtslageSonderrecht 1989, aufgehoben 2013
  • Ideale Dauer1 bis 1,5 Stunden

Die Regeln, an die du dich halten musst

Am Eingang und an mehreren Stellen im Gelände stehen Schilder mit den Regeln. Die wichtigste betrifft das Fotografieren: In bestimmten Bereichen, vor allem im Umfeld der früheren Pusher Street, ist Fotografieren und Filmen untersagt. Das ist keine Empfehlung, sondern wird durchgesetzt, und Diskussionen darüber führen zu nichts. Halte die Kamera in der Tasche, solange du nicht sicher bist.

Weiter gilt: kein Autoverkehr, nicht rennen, und keine Aufnahmen von Menschen ohne deren Einverständnis. Rennen wird deshalb untersagt, weil es in der Vergangenheit regelmäßig Panik ausgelöst hat. Und wie überall in Dänemark gilt auch hier dänisches Recht; der Handel mit Cannabis war und ist strafbar, unabhängig davon, wie er hier zeitweise abgelaufen ist.

Wie Christiania entstanden ist

Die Kaserne wurde Anfang der 1970er Jahre aufgegeben und stand leer, während in Kopenhagen Wohnungsnot herrschte. Erst durchbrachen Anwohner den Zaun, um das Gelände als Spielplatz zu nutzen, dann zogen Menschen ein. Die Ausrufung der Freistadt im September 1971 war die Formulierung eines Zustands, der schon eingetreten war.

Es folgten Jahrzehnte des Streits mit dem Staat. 1989 verabschiedete das Parlament ein eigenes Christiania-Gesetz, das den Sonderstatus regelte. 2011 einigten sich die Bewohner darauf, das Gelände gemeinschaftlich zu kaufen, 2012 leisteten sie die erste Zahlung, und 2013 wurde das Sonderrecht aufgehoben. Seither gelten hier die normalen dänischen Regeln, verwaltet wird das Gelände von einer Stiftung und einer Vollversammlung der Bewohner.

Der Drogenhandel und sein Ende auf der Pusher Street

Über Jahrzehnte gab es in der Pusher Street einen offenen Cannabismarkt mit festen Ständen. Die Bewohner hatten harte Drogen schon 1979 selbst verboten und mit einer Blockade durchgesetzt; Cannabis blieb. Nach wiederholten Schießereien bauten die Bewohner die Stände 2016 selbst ab, danach ging der Handel deutlich zurück.

Am 6. April 2024 rissen Bewohner gemeinsam mit der Polizei das Pflaster der Pusher Street auf, um den Handel dort dauerhaft zu beenden und die Straße umzugestalten. Wer heute kommt, findet dort eine Baustelle und ein Viertel im Umbau, nicht den Markt aus den Reiseberichten der 2010er Jahre. Kaufangebote solltest du ignorieren; der Handel ist strafbar, und darauf einzugehen bringt dich und die Bewohner in Schwierigkeiten.

Warum das Gelände so aussieht, wie es aussieht

Christiania steht auf den Wällen, die Christian IV. im 17. Jahrhundert als Befestigung von Christianshavn anlegen ließ. Diese Wälle sind der Grund, warum das Gelände so grün und so unübersichtlich ist: Es ist kein Stadtviertel mit Straßenraster, sondern ein Festungsgelände mit Gräben, Bastionen und einem Wasserlauf, in das Häuser hineingebaut wurden.

Dazu kamen die Kasernenbauten aus dem 19. Jahrhundert, die weiterverwendet wurden. Die selbstgebauten Häuser dazwischen entstanden über Jahrzehnte ohne Bauordnung, mit dem, was verfügbar war. Manche davon sind seit langem Gegenstand von Architekturführungen, weil sie zeigen, was ohne Norm entsteht.

Was du tatsächlich siehst

Selbstgebaute Häuser aus vier Jahrzehnten, viele davon architektonisch bemerkenswert, weil sie ohne Bauordnung entstanden sind. Werkstätten, ein großer Konzertsaal in einer ehemaligen Reithalle, Gärten, Wandmalereien und die alten Wallanlagen mit einem Wasserlauf. Hier wurde auch das dreirädrige Lastenrad entwickelt, das inzwischen in ganz Kopenhagen fährt.

Rechne mit einer bis anderthalb Stunden. Der Weg über den Wall am Wasser ist der ruhigere Teil und zeigt mehr vom eigentlichen Leben als der Bereich am Eingang. Christiania liegt in Christianshavn, wenige Minuten von der Metro und von der Vor Frelsers Kirke mit ihrem 90 Meter hohen Spitzenturm.

Wie du es einordnest und kombinierst

Christiania funktioniert am besten als Teil eines Christianshavn-Nachmittags: Kanäle, Speicherhäuser, der Wall, dann die Freistadt. Von dort ist es nicht weit zu den ehemaligen Werftflächen von Refshaleøen. Wer die offizielle, königliche Version der Stadt gesehen hat, bekommt hier das Gegenstück; wie beides in einen Tag passt, steht bei den Kopenhagener Sehenswürdigkeiten. Eine Einordnung der Stadtviertel gibt die Übersicht zu Kopenhagen, und wo du übernachten kannst, steht bei den Vierteln für Hotels.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAn Sommernachmittagen sammeln sich Gruppen im vorderen Bereich. Der Weg über den Wall am Wasser ist fast immer ruhig und zeigt mehr vom Alltag des Viertels. Geführte Gruppen kommen meist am Vormittag.
  • Wenn es regnetFast alles liegt im Freien, überdachte Bereiche gibt es kaum. Bei Regen ist Christianshavn drumherum die bessere Wahl: die Kanäle, die Speichergassen und die Kirche mit ihrem Turm.
  • Mit KindernAm Tag möglich, aber es ist ein Wohnviertel ohne kindgerechte Einrichtung, und das Fotografierverbot lässt sich Kindern schwer erklären. Für Familien ist die Wallanlage mit dem Wasserlauf der geeignetste Teil.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Wege sind unbefestigt, uneben und teils schlammig, es gibt Stufen und schmale Passagen. Für Rollstuhl oder Rollator ist das Gelände nur eingeschränkt geeignet; der befestigte Bereich nahe dem Haupteingang ist noch am ehesten machbar.

Häufige Fragen

Darf man in Christiania fotografieren?

Nicht überall. In bestimmten Bereichen, vor allem im Umfeld der früheren Pusher Street, ist Fotografieren und Filmen ausdrücklich untersagt, und darauf wird geachtet. Auch außerhalb dieser Bereiche gilt: keine Aufnahmen von Menschen ohne deren Einverständnis. Im Zweifel die Kamera weglassen.

Ist ein Besuch in Christiania sicher?

Am Tag ist ein Besuch normalerweise unproblematisch, wenn du die ausgeschilderten Regeln beachtest. Nach Einbruch der Dunkelheit ist es weniger übersichtlich, und es gab in der Vergangenheit gewaltsame Zwischenfälle im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Geh am Tag, bleib auf den Wegen und geh auf Kaufangebote nicht ein.

Gibt es die Pusher Street noch?

Als Straße ja, als offenen Markt nicht mehr in der früheren Form. Bewohner und Polizei rissen am 6. April 2024 gemeinsam das Pflaster auf, um den Handel dort zu beenden und die Straße neu zu gestalten. Wer nach der Kulisse aus älteren Reiseberichten sucht, findet sie nicht mehr.

Wem gehört Christiania heute?

Den Bewohnern selbst, organisiert in einer Stiftung. Nach dem Christiania-Gesetz von 1989 einigten sie sich 2011 auf den gemeinschaftlichen Kauf des Geländes und zahlten 2012 die erste Rate. 2013 wurde das Sonderrecht aufgehoben; seither gilt hier normales dänisches Recht.