Auf einen Blick
- OrtHillerød, rund 50 Kilometer über Land
- BauherrChristian IV., Hauptgebäude um 1610 fertig
- ArchitektenHans van Steenwinckel der Ältere und seine Söhne
- Brand16. Dezember 1859
- MuseumNationalhistorisches Museum, gegründet 1878
- Ideale Dauer3 Stunden vor Ort, mit Anreise ein halber Tag
Der Brand von 1859 und ein Brauer als Retter
Das Feuer brach am 16. Dezember 1859 aus und breitete sich so schnell aus, dass der größte Teil des Baus innerhalb weniger Stunden ruiniert war. Dass Frederiksborg heute überhaupt steht, ist im Wesentlichen einem Mann zu verdanken: J.C. Jacobsen, dem Gründer der Brauerei Carlsberg, der den Wiederaufbau in erheblichem Umfang finanzierte.
Er verband das mit einer Bedingung, die das Schloss bis heute prägt: Es sollte kein Königsschloss mehr werden, sondern ein Museum für die Geschichte des Landes. Das Nationalhistorische Museum wurde am 5. April 1878 förmlich gegründet und öffnete 1882. Wer durch die Räume geht, geht deshalb durch eine Erzählung dänischer Geschichte in Porträts, nicht durch eine Wohnung.
Was den Brand überstanden hat
Die Schlosskirche kam fast unbeschadet davon. Sie war ab 1671 der Ort der dänischen Königssalbungen und blieb es bis 1840; hier wurden unter anderem Christian V., Frederik IV. und Christian VIII. gesalbt. Dass diese Räume echt sind und nicht rekonstruiert, macht sie zum wichtigsten Teil des Besuchs.
Der Rittersaal im Westflügel dagegen brannte aus und wurde bis 1880 fast vollständig wiederhergestellt, wobei man sich auf ältere Architekturgemälde stützte. Es lohnt sich, beide Räume nacheinander anzusehen und den Unterschied zwischen Original und sehr guter Rekonstruktion selbst zu prüfen.
Die Porträtsammlung als Nationalerzählung
Der Auftrag des Museums war von Anfang an, dänische Geschichte über Gesichter zu erzählen. In den oberen Etagen hängen deshalb Hunderte von Porträts, Historienbildern und Möbelensembles, chronologisch geordnet von der Reformation bis in die Gegenwart. Das Prinzip ist konsequent, aber es setzt Interesse voraus.
Für Besucher aus Deutschland ist der spannendste Abschnitt oft das 19. Jahrhundert, weil dort die schleswigschen Konflikte, die Grenzfragen und die Volksabstimmungen von 1920 in Bildern auftauchen. Wer sich dafür nicht interessiert, sollte die oberen Etagen zügig nehmen und dafür unten mehr Zeit lassen.
Der Barockgarten und der Neptunbrunnen
Auf der Nordseite des Sees liegt der Barockgarten, der in den frühen 1720er Jahren angelegt wurde: strenge Terrassen, Kanäle, Buchsbaummuster mit den Monogrammen der Könige. Er war im 19. Jahrhundert verschwunden. 1993 wurde beschlossen, ihn in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen, und 1996 wurde er neu eröffnet.
Im Innenhof steht der Neptunbrunnen, den Adriaen de Vries von 1620 bis 1622 schuf. Das Original steht nicht mehr hier: Schwedische Truppen nahmen es 1659 als Kriegsbeute mit, und was du siehst, ist eine Kopie von 1888. Diese Geschichte erklärt nebenbei viel über das dänisch-schwedische Verhältnis im 17. Jahrhundert.
Anreise und Zeitbedarf
Hillerød liegt rund 50 Kilometer über Land von Kopenhagen entfernt und ist mit der S-Bahn erreichbar; vom Bahnhof geht es zu Fuß oder mit dem Bus weiter zum Schloss. Prüfe Verbindungen und Tarifzonen vorab beim Verkehrsverbund. Grundlagen zum System stehen bei Verkehr in Kopenhagen.
Rechne mit drei Stunden vor Ort für Kirche, Rittersaal, Porträtsammlung und Garten, insgesamt also mit einem halben bis ganzen Tag. Das Schloss ist groß, und die Porträtgalerien ziehen sich; wer alles ansehen will, sollte den ganzen Tag einplanen.
Wie es sich einordnet
Frederiksborg ist die Renaissanceanlage der Region, Rosenborg in der Stadt ist ihr kleiner Bruder vom selben Bauherrn, und Kronborg in Helsingør, seit 2000 UNESCO-Welterbe, ist die Festungsvariante desselben Jahrhunderts. Wer nur ein Schloss außerhalb der Stadt sehen will, wählt zwischen Frederiksborg für Innenräume und Kronborg für Lage und Militärgeschichte. Eine Alternative in andere Richtung ist das Louisiana in Humlebæk. Die Übersicht steht bei den Kopenhagener Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll wird es an Sommerwochenenden am Vormittag, wenn Busgruppen ankommen. Beginne dann mit dem Barockgarten auf der Nordseite und geh erst danach ins Schloss; im Garten verteilt sich der Andrang sofort.
- Wenn es regnetDer Schlossbesuch liegt innen und funktioniert bei Regen gut. Der Barockgarten fällt dann praktisch weg, und mit ihm ein Teil des Reizes. Der Weg vom Bahnhof ist ungeschützt.
- Mit KindernDer Garten mit Terrassen und Kanälen und der Weg über die Brücken zwischen den Inseln funktionieren gut. Die Porträtgalerien nicht. Halte den Innenteil kurz und plane die Außenanlagen als Hauptteil.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Schloss hat mehrere Etagen und historische Treppen; Teile sind erschlossen, aber nicht alle. Der Barockgarten liegt auf Terrassen mit Stufen. Kläre Aufzüge und barrierefreie Wege vorab auf der offiziellen Seite.
Häufige Fragen
Ist Frederiksborg original oder rekonstruiert?
Beides. Der Brand vom 16. Dezember 1859 zerstörte den größten Teil der Innenräume, die danach wiederhergestellt wurden. Die Schlosskirche überstand das Feuer jedoch weitgehend unbeschädigt und ist deshalb echt. Der Rittersaal wurde bis 1880 nach älteren Architekturgemälden rekonstruiert.
Wie kommt man von Kopenhagen nach Frederiksborg?
Nach Hillerød, rund 50 Kilometer über Land, fährt die S-Bahn; vom Bahnhof geht es zu Fuß oder mit dem Bus weiter. Verbindungen und Tarifzonen solltest du vorher beim Verkehrsverbund prüfen, weil sich Fahrplan und Zonen ändern können.
Was ist das Nationalhistorische Museum?
Ein Museum für dänische Geschichte in Porträts, Gemälden und Einrichtungen, das nach dem Brand auf Betreiben und mit dem Geld des Brauers J.C. Jacobsen entstand. Gegründet wurde es am 5. April 1878, geöffnet hat es seit 1882. Es füllt heute die Schlossräume.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Drei Stunden vor Ort für Kirche, Rittersaal, Porträtsammlung und Barockgarten. Mit An- und Rückfahrt wird daraus ein halber bis ganzer Tag. Wenn die Zeit knapp ist, nimm die Schlosskirche und den Rittersaal und lass die oberen Porträtgalerien aus.





