Midtjylland · Aarhus

Den Gamle By: Dänemarks Stadtmuseum

Den Gamle By ist kein Bauerndorf, sondern eine zusammengesetzte Kaufmannsstadt, und darin liegt der Unterschied zu fast allen anderen Freilichtmuseen. Als das Museum entstand, bewahrte man in Europa ländliche Bauten; Stadthäuser galten als selbstverständlich und wurden abgerissen. Der Lehrer Peter Holm drehte das 1909 um und rettete für die Landesausstellung in Aarhus die Borgmestergården von 1597, ein Kaufmannshaus, das an der Ecke Lilletorv und Immervad stand.

Aus dem einen geretteten Haus wurde das erste Freilichtmuseum der Welt für Stadtkultur. Seit 1914 steht die Sammlung an ihrem heutigen Platz westlich des Zentrums, heute mit rund achtzig historischen Gebäuden aus fünfundzwanzig dänischen Städten.

Den Gamle By: Dänemarks Stadtmuseum
Foto: Simon Burchell, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameDen Gamle By, Danmarks Købstadmuseum
  • Gegründet1909 von Peter Holm, am heutigen Platz seit 1914
  • Ältestes HausBorgmestergården von 1597 aus Aarhus
  • Umfangrund 80 Gebäude aus 25 dänischen Städten
  • Zusatzviertelein Stadtteil von 1927 und einer von 1974
  • Ideale Dauer3 bis 5 Stunden, also ein halber Tag

Ein Museum, das mit einem einzigen Haus anfing

1909 fand in Aarhus eine große Landesausstellung statt. Peter Holm ließ dafür die Borgmestergården abtragen und im Ausstellungsgelände wieder aufbauen, komplett mit historisch eingerichteten Räumen. Der Zuspruch war so groß, dass aus dem Provisorium eine Dauereinrichtung wurde: 1914 öffnete das Haus an seinem heutigen Standort, und damit begann das Museum. Bis zu Holms Rücktritt 1945 waren 44 Gebäude zusammengetragen.

Das erklärt auch, warum die Stadt so wirkt, wie sie wirkt: sie ist nicht gewachsen, sondern gebaut, aus Häusern, die anderswo im Weg standen. Wer darauf achtet, sieht die Nähte, und das macht den Besuch interessanter, nicht schlechter.

Drei Zeitschichten statt einer

Der bekannte Teil ist die Kaufmannsstadt mit Fachwerk, Hinterhöfen und Kopfsteinpflaster. Dazu kommen zwei jüngere Viertel: eines von 1927 und eines von 1974. Dort stehen Läden, Werkstätten und Wohnungen, die bis zur Tapete, zum Radiogerät und zum Inhalt der Küchenschränke auf ihr Jahr eingerichtet sind.

Diese beiden Viertel sind der Grund, warum das Museum auch Leute packt, die Freilichtmuseen sonst meiden. Eine Wohnung von 1974 ist für viele Besucher näher an der eigenen Kindheit als an Geschichte, und genau daraus entsteht die Wirkung. Plane sie also ein und laufe nicht nur durch das Fachwerk.

Was du wirklich siehst

In der Saison arbeiten Handwerker in den Werkstätten, und Personal in zeitgenössischer Kleidung steht in den Häusern und beantwortet Fragen. Außerhalb der Hauptsaison sind deutlich weniger Häuser besetzt, und einige Bereiche sind geschlossen. Das Programm wechselt stark mit der Jahreszeit, deshalb lohnt ein Blick auf die offizielle Seite, bevor du den Tag darauf aufbaust.

Neben den Straßen gibt es Ausstellungen unter Dach, unter anderem zur Geschichte von Aarhus, zu Plakaten und zu Spielzeug. Die sind der sinnvolle Plan B, wenn es draußen ungemütlich wird, und sie sind der Grund, warum das Museum auch im Winter funktioniert.

Ein Hinweis zur Erwartung: die Häuser sind echt, die Stadt ist es nicht. Kein Straßenzug hat je genau so ausgesehen, weil die Gebäude aus fünfundzwanzig verschiedenen Städten stammen und nach musealen Gesichtspunkten gruppiert wurden. Wer das weiß, ärgert sich nicht über die Kulisse, sondern liest sie richtig: als eine Sammlung, die man begehen kann.

Zeit, Reihenfolge und wo es hakt

Drei bis fünf Stunden sind realistisch, also ein halber Tag. Eine sinnvolle Reihenfolge: erst die alte Stadt, solange du frisch bist, dann 1927, dann 1974, und die Ausstellungen unter Dach zum Schluss. Wer wenig Zeit hat, dreht es um und nimmt 1974 zuerst, weil dieser Teil am schnellsten wirkt.

Zwei ehrliche Einschränkungen: das Pflaster ist echtes historisches Kopfsteinpflaster und für Kinderwagen und Rollstühle anstrengend, und in den Häusern führen enge, steile Treppen nach oben. In den Sommerferien staut es sich in den populären Häusern; früh am Tag oder am späten Nachmittag ist es deutlich ruhiger.

Rechne außerdem damit, dass du drinnen mehr Zeit verbringst als gedacht. Die eingerichteten Räume laden zum Stehenbleiben ein, und das Personal erzählt gern, wenn man fragt. Wer sich vorgenommen hat, in neunzig Minuten durchzugehen, steht nach neunzig Minuten meist noch in der ersten Hälfte.

Womit du es verbindest

Direkt an das Museum grenzt der Botanische Garten mit den Gewächshäusern, das ist der naheliegendste Anschluss und kostet dich nur ein paar Schritte. Vom Museum zum Stadtkern und ins Latinerkvarteret sind es rund fünfzehn Gehminuten. Wer an einem Tag zwei große Häuser will, kombiniert Den Gamle By eher nicht mit Moesgaard, weil beide einen halben Tag brauchen; die Reihenfolge für zwei Tage steht unter Aarhus Sehenswürdigkeiten und im Überblick zu Aarhus.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istIn den Sommerferien und rund um die Feiertage staut es sich in den populären Häusern. Fang dann mit dem Viertel von 1974 an, das die meisten zuletzt ansteuern, und geh rückwärts durch die Zeit.
  • Wenn es regnetDie Ausstellungen unter Dach, unter anderem zur Stadtgeschichte, zu Plakaten und zu Spielzeug, tragen einen Regentag problemlos. Auch die eingerichteten Wohnungen liegen alle innen; nass wirst du nur auf den Wegen dazwischen.
  • Mit KindernWerkstätten, Tiere und die Wohnungen von 1974 ziehen Kinder besser als die Kaufmannshäuser. Nimm feste Schuhe mit, das Pflaster ist uneben, und rechne mit einer Pause nach spätestens zwei Stunden.
  • Mit eingeschränkter MobilitätHistorisches Kopfsteinpflaster auf allen Straßen und enge Treppen in den Häusern. Erdgeschosse und Ausstellungshallen sind überwiegend zugänglich, die Obergeschosse meist nicht. Kläre die Wege vorab beim Museum.

Häufige Fragen

Ist Den Gamle By etwas für Erwachsene ohne Kinder?

Ja, und das ist der häufigste Irrtum. Die Viertel von 1927 und 1974 sind sozialgeschichtlich sehr genau eingerichtet und funktionieren für Erwachsene oft besser als für Kinder. Wer Alltagsgeschichte mag, hat hier mehr davon als in vielen klassischen Museen.

Wie viel Zeit brauche ich?

Drei bis fünf Stunden für alte Stadt, beide jüngeren Viertel und die Ausstellungen unter Dach. Mit einer Stunde siehst du nur die Kulisse und keinen einzigen eingerichteten Innenraum, und dann lohnt der Besuch nicht.

Sind die Häuser auch im Winter geöffnet?

Das Museum ist ganzjährig zugänglich, aber im Winter sind weniger Häuser besetzt und einige Bereiche geschlossen. Dafür gibt es in der Adventszeit ein eigenes Programm. Was an deinem Tag offen ist, steht auf der offiziellen Seite; verlass dich nicht auf das Sommerbild.

Ist das Gelände barrierefrei?

Nur teilweise. Die Straßen sind mit historischem Kopfsteinpflaster belegt, und in den Häusern führen enge Treppen in die Obergeschosse. Erdgeschosse und die Ausstellungshallen sind meist zugänglich. Wer eingeschränkt mobil ist, klärt die Wege vorab beim Museum und plant längere Pausen ein.