Hovedstaden · Kopenhagen

Ny Carlsberg Glyptotek

Die Ny Carlsberg Glyptotek ist die private Sammlung von Carl Jacobsen, dem Sohn des Carlsberg-Gründers, die er ab 1882 öffentlich zugänglich machte. Die beiden Gebäude stammen von Vilhelm Dahlerup, der 1897 baute, und von Hack Kampmann, dessen Flügel 1906 dazukam. Über 10.000 Werke sind heute darin versammelt.

Der Kern in einem Satz: Es sind eigentlich drei Museen in einem Haus. Vorne die Antike mit über 1.900 ägyptischen Objekten sowie griechischer, etruskischer und römischer Skulptur; in der Mitte ein Wintergarten unter einer Glaskuppel; hinten dänische Malerei des 19. Jahrhunderts und französische Kunst des späten 19. Jahrhunderts. Wer nur eines davon will, sollte das vorher wissen.

Ny Carlsberg Glyptotek
Foto: Aavee, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • GründerCarl Jacobsen, Sohn des Carlsberg-Gründers
  • Öffentlich seit1882
  • GebäudeVilhelm Dahlerup 1897, Hack Kampmann 1906
  • Umfangüber 10.000 Werke, davon über 1.900 aus Ägypten
  • Schwerpunkteine der größten Rodin-Sammlungen weltweit
  • Ideale Dauer2 bis 3 Stunden

Der Wintergarten in der Mitte

Zwischen den beiden Sammlungsflügeln liegt ein Wintergarten mit Mosaikböden, hohen Palmen und einem Brunnen unter einer Kuppel aus Glas, Kupfer und Schmiedeeisen. Er ist kein Foyer, sondern ein eigener Raum, und für viele Besucher der eigentliche Grund für den Besuch, gerade im dänischen Winter.

Das ist auch der Grund, warum dieses Museum als Regenprogramm besser funktioniert als fast jedes andere in der Stadt: Man kann hier zwei Stunden verbringen, ohne dass es sich nach Pflichtprogramm anfühlt.

Wie aus einem Wintergarten ein Museum wurde

Der Name erklärt das Haus: Glyptothek kommt vom griechischen glyptos für das Geschnitzte oder Gemeißelte und theke für den Ort, an dem etwas aufbewahrt wird. Es ist also von Anfang an ein Skulpturenhaus gewesen, und die Gemälde kamen später dazu.

Der Anfang war klein. Als Jacobsen 1882 an seine Villa einen Wintergarten anbauen ließ, standen darin bald mehr Skulpturen als Pflanzen. 1888 übergab er die Sammlung der Öffentlichkeit, Stadt und Staat stellten Grundstück und Mittel bereit, und 1897 öffnete der Bau von Dahlerup. Der Wintergarten der heutigen Anlage ist also kein Dekor, sondern eine Erinnerung daran, wo das Ganze angefangen hat.

Antike: Ägypten, Griechenland, Etrurien, Rom

Jacobsen kaufte im großen Stil, als der Antikenmarkt noch offen war, und finanzierte über die Carlsberg-Stiftung eigene Ausgrabungen in Ägypten. Daraus entstand eine Sammlung, die für ein Land dieser Größe außergewöhnlich ist: Sarkophage, Grabreliefs, Porträtköpfe, dazu griechische Originale und römische Kopien.

Die römischen Porträtbüsten sind die Stärke des Hauses. Sie stehen dicht an dicht in langen Reihen, und weil es so viele sind, sieht man Entwicklungen über Jahrhunderte, die einzelne Stücke nie zeigen könnten.

Warum hier so viele Gauguins hängen

Die Glyptotek besitzt über vierzig Werke von Paul Gauguin, mehr als von jedem anderen Maler, und das hat einen konkreten Grund. Gauguin war mit der Dänin Mette Gad verheiratet und zog 1884 mit ihr und den Kindern nach Kopenhagen, nachdem er seine Stelle als Börsenmakler verloren hatte. Die Ehe scheiterte, aber Mette Gad erbte nach seinem Tod 1903 einen großen Teil der unverkauften Bilder und brachte sie nach Dänemark.

Aus diesem Bestand kam vieles später in die Glyptotek. Die Sammlung ist also kein Ergebnis von Kunstverstand allein, sondern von einer Ehegeschichte. Dazu kommen der vollständige Satz der Bronzen von Edgar Degas, eine der weltweit größten Rodin-Sammlungen und Werke von van Gogh.

Dänische Malerei des Goldenen Zeitalters

Der dänische Teil der Sammlung zeigt Malerei des 19. Jahrhunderts, die außerhalb Dänemarks kaum bekannt ist: klares Licht, ruhige Landschaften, sehr genaue Porträts. Wer die dänische Malerei nicht kennt, sollte hier ein paar Räume einplanen, weil sie den Rest der Reise verändert. Man sieht danach die Landschaft anders.

Zeit, Lage und Kombination

Zwei bis drei Stunden reichen für einen ordentlichen Besuch, wenn du einen Schwerpunkt setzt. Die Glyptotek liegt am Dantes Plads, wenige Schritte vom Rathausplatz und direkt neben dem Tivoli, weshalb sich Museum am Nachmittag und Garten am Abend gut kombinieren lassen. Zum Nationalmuseum sind es fünf Minuten zu Fuß, und die Innenstadt mit Strøget beginnt direkt daneben. Wenn du eine Attraktionskarte hast, prüfe im Voraus, ob dieses Haus enthalten ist: Copenhagen Card und City Pass.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es an Regentagen am Nachmittag, weil das Haus zentral liegt. Der Wintergarten ist dann der engste Punkt. Beginne mit der Antike im hinteren Teil und nimm den Wintergarten am Ende.
  • Wenn es regnetDas beste Regenprogramm der Innenstadt, weil der Wintergarten unter Glas das Draußensein ersetzt. Der Weg vom Rathausplatz hierher dauert nur wenige Minuten.
  • Mit KindernDie Mumien und Sarkophage der ägyptischen Abteilung funktionieren bei Kindern zuverlässig, die Malerei nicht. Für kleine Kinder ist der Wintergarten mit dem Brunnen der beste Teil des Hauses.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Haus hat mehrere Ebenen und historische Treppenanlagen, ist aber mit Aufzügen erschlossen. Der Wintergarten ist ebenerdig erreichbar. Kläre einzelne Bereiche vorab, weil in den Altbauflügeln Stufen liegen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zur Nationalgalerie?

Die Glyptotek ist eine private Sammlung mit Schwerpunkt auf Antike, dänischer Malerei des 19. Jahrhunderts und französischer Kunst um 1900. Sie ist chronologisch und thematisch enger gefasst als eine staatliche Nationalgalerie und dadurch in zwei bis drei Stunden gut zu bewältigen.

Warum besitzt die Glyptotek so viele Werke von Gauguin?

Weil Gauguin mit der Dänin Mette Gad verheiratet war und 1884 mit ihr nach Kopenhagen zog. Nach seinem Tod 1903 erbte sie einen großen Teil der unverkauften Bilder und brachte sie nach Dänemark. Aus diesem Bestand gelangten über vierzig Werke in die Sammlung.

Lohnt sich der Wintergarten allein?

Für viele Besucher ja. Der Raum mit Mosaikboden, Palmen und Brunnen unter der Glaskuppel ist ein eigenes Erlebnis und im dänischen Winter besonders wirkungsvoll. Er liegt allerdings innerhalb des Museums, ist also nicht ohne Besuch zugänglich.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Zwei bis drei Stunden mit einem Schwerpunkt. Wenn du Antike und französische Kunst beide gründlich ansehen willst, wird es ein halber Tag. Für einen kurzen Besuch nimm den Wintergarten, die römischen Porträtbüsten und die Gauguin-Räume.