Hovedstaden · Kopenhagen

Die Kleine Meerjungfrau: lohnt sie sich?

Die Bronzefigur am Ufer von Langelinie wurde am 23. August 1913 aufgestellt. Der Bildhauer Edvard Eriksen hatte sie 1909 im Auftrag von Carl Jacobsen gefertigt, dem Sohn des Carlsberg-Gründers, der zuvor ein Ballett nach Hans Christian Andersens Märchen gesehen hatte. Sie ist 1,25 Meter hoch und wiegt 175 Kilogramm, sitzt also auf ihrem Stein deutlich kleiner da, als die meisten Bilder vermuten lassen.

Wichtig für die Erwartung: Das ist die ehrliche Kernaussage dieser Seite. Die Figur ist klein, sie steht dicht am Ufer eines wenig spektakulären Hafenabschnitts, und zwischen Mai und September steht fast immer eine Traube von Menschen davor, die auf ein Foto ohne fremde Köpfe wartet. Wer nur wegen der Statue hinläuft, wird enttäuscht. Wer den Weg dorthin als eigentlichen Grund nimmt, nicht.

Auf einen Blick

  • Dänischer NameDen lille Havfrue, an der Langelinie
  • BildhauerEdvard Eriksen, beauftragt 1909
  • Aufgestellt23. August 1913
  • Maße1,25 Meter hoch, 175 Kilogramm
  • StifterCarl Jacobsen, Sohn des Carlsberg-Gründers
  • Ideale Dauer10 Minuten, mit dem Spazierweg 1 bis 2 Stunden

Wie klein sie tatsächlich ist

1,25 Meter, das ist die Größe eines siebenjährigen Kindes. Sie sitzt auf einem Findling wenige Meter vom Ufer entfernt, ohne Sockel, ohne Podest, ohne Rahmen. Genau darin liegt der Grund für die häufige Enttäuschung: Fotos werden mit langer Brennweite und tief gehaltener Kamera gemacht, wodurch die Figur groß und einsam wirkt. In Wirklichkeit steht man auf einer Uferpromenade neben einem Kreuzfahrtkai.

Das ist keine Kritik an der Skulptur. Eriksen hat eine sehr ruhige, nach innen gekehrte Figur gemacht, und aus der Nähe sieht man das auch. Nur trägt sie den Weg nicht allein.

Warum sie überhaupt dort sitzt

Carl Jacobsen hatte im Königlichen Theater ein Ballett nach Andersens Märchen gesehen und wollte die Hauptfigur als Denkmal für die Stadt. Die Tänzerin Ellen Price stand für den Kopf Modell, lehnte aber ab, unbekleidet zu posieren; für den Körper stand Eriksens Frau Eline Modell. Die weit verbreitete Behauptung, das Gesicht sei das der Ballerina, ist deshalb umstritten und wird von der Familie des Bildhauers anders dargestellt.

Weltweit stehen inzwischen mehr als ein Dutzend Kopien, unter anderem in den USA, Spanien, Rumänien, Südkorea, Kanada und Brasilien. Das Original bleibt an seinem Platz.

Eine Figur, die immer wieder beschädigt wurde

Die Meerjungfrau ist eines der am häufigsten angegriffenen Denkmäler Europas. 1964 wurde ihr der Kopf abgesägt und gestohlen, 1984 ein Arm abgetrennt und nach zwei Tagen zurückgebracht, 1998 wurde sie erneut geköpft, und 2003 sprengte man sie mit Sprengstoff vom Sockel. Dazu kommen zahlreiche Farbanschläge, zuletzt in den 2020er Jahren.

Jedes Mal wurde sie repariert oder nachgegossen. Wer genau hinschaut, sieht die Reihenfolge der Reparaturen am Hals. Diese Geschichte ist der interessanteste Teil des Besuchs und steht auf keiner Tafel davor.

Der Weg dorthin ist der eigentliche Grund

Von Nyhavn aus sind es rund zwei Kilometer flacher Weg an der Wasserkante, und auf dieser Strecke liegt fast alles, wofür man die Hafenseite Kopenhagens besucht. Zuerst Schloss Amalienborg mit dem achteckigen Platz, dann der Churchillpark, dann der Gefionbrunnen von Anders Bundgaard, dessen Figuren von 1897 bis 1899 entstanden und der 1908 zum fünfzigjährigen Jubiläum der Brauerei von der Carlsberg-Stiftung gestiftet wurde. Er zeigt die Göttin Gefjon, die Seeland mit vier Ochsen aus Schweden herauspflügt.

Direkt dahinter liegt Kastellet, eine Sternschanze mit fünf Bastionen, die als eine der besterhaltenen Festungen Nordeuropas gilt. Christian IV. begann 1626 damit, die heutige Form entstand nach der schwedischen Belagerung von 1658 bis 1660 unter dem Ingenieur Henrik Rüse. Die Wälle sind öffentlich begehbar, die Mühle von 1847 ist die letzte funktionsfähige der alten Wallmühlen, und das Gelände gehört bis heute dem Verteidigungsministerium. Von dort sind es fünf Minuten zur Figur.

Andrang: wann es sich lohnt und wann nicht

Zwischen Mai und September ist der Uferabschnitt tagsüber durchgehend belegt, verstärkt wenn Kreuzfahrtschiffe am nahen Terminal liegen. Früh am Morgen und am späten Abend steht man dagegen oft allein davor. Im Winter ist es leer, dafür ist der Weg über die offene Uferpromenade windig und kalt.

Die praktische Empfehlung lautet deshalb: Geh die Strecke über Kastellet, nimm die Figur am Ende mit und plane keine eigene Anreise nur für sie. Wie sich das in einen Tag einfügt, steht bei den Sehenswürdigkeiten mit Route. Wer vom Wasser aus vorbeikommen will, sieht sie auch von der Kanalrundfahrt aus, allerdings von hinten und aus einiger Entfernung.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istTagsüber im Sommer steht immer eine Traube davor, verstärkt bei Kreuzfahrtanläufen. Früh am Morgen oder nach Einbruch der Dunkelheit ist der Platz oft leer. Alternativ vom Wasser aus vorbeifahren und die Figur von der Seeseite ansehen.
  • Wenn es regnetDer Weg ist vollständig ungeschützt und über die Uferpromenade zusätzlich windig. Bei Regen ist Kastellet mit seinen Wällen der bessere Teil der Strecke, weil man ihn kürzer halten kann; als Innenprogramm bietet sich das Nationalmuseum an.
  • Mit KindernDie Figur allein trägt keinen Kinderbesuch. Kastellet funktioniert besser: Wälle zum Laufen, Wassergraben, Mühle und Wachgebäude. Das Märchen vorher zu erzählen hilft mehr als jede Tafel vor Ort.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Uferpromenade ist eben und befestigt, der letzte Abschnitt zur Figur führt aber über unregelmäßige Steine, und in der Menge ist es eng. Auf Kastellet sind die Wallwege gekiest und teilweise steil. Der Blick von der Promenade aus ist auch ohne den letzten Meter möglich.

Häufige Fragen

Wie groß ist die Kleine Meerjungfrau wirklich?

1,25 Meter hoch und 175 Kilogramm schwer. Sie sitzt ohne Sockel auf einem Stein am Ufer, wenige Meter vom Weg entfernt. Die meisten Besucher schätzen sie vorher deutlich größer ein, weil die üblichen Fotos mit langer Brennweite und von unten gemacht werden.

Lohnt sich der Weg zur Kleinen Meerjungfrau?

Nur zusammen mit der Strecke. Als eigenes Ziel mit eigener Anfahrt lohnt sie sich nicht. Als Endpunkt eines Spaziergangs über Amalienborg, Gefionbrunnen und Kastellet schon, weil dann zwei Kilometer Hafenkante und eine gut erhaltene Festungsanlage den Weg tragen.

Wann steht man ohne Menschenmenge davor?

Früh am Morgen und nach Einbruch der Dunkelheit, außerdem generell zwischen Oktober und April. Tagsüber im Sommer ist der Uferabschnitt praktisch durchgehend besetzt, besonders wenn Kreuzfahrtschiffe am nahegelegenen Terminal liegen.

Warum wurde die Statue so oft beschädigt?

Weil sie als Symbol des Landes gilt und leicht zugänglich am offenen Ufer sitzt. Sie wurde 1964 und 1998 geköpft, 1984 verlor sie einen Arm, 2003 wurde sie vom Stein gesprengt, dazu kamen mehrere Farbanschläge. Die Motive reichten von Vandalismus bis zu politischem Protest. Repariert wurde sie jedes Mal.