Auf einen Blick
- ArchitektNicolai Eigtved
- Gebaut1750 bis 1760, für vier Adelsfamilien
- Königliche Residenzseit Dezember 1794
- Museumim Palais Christians VIII., Räume von 1863 bis 1947
- ReiterstandbildFrederik V. von Jacques Saly, enthüllt 1771
- Ideale Dauer45 Minuten außen, mit Museum 2 Stunden
Vier Palais, vier Namen, eine Idee
Die Anlage gehört zum Stadtteil Frederiksstaden, den Frederik V. zum dreihundertjährigen Jubiläum seines Hauses anlegen ließ. Der Trick der Planung ist die Achsensymmetrie: Vom Hafen aus geht der Blick über den Platz hinweg direkt auf die Kuppel der Marmorkirche, und umgekehrt. Die vier Palais heißen bis heute nach ihren ersten Besitzern, werden aber nach den Königen benannt, die später darin wohnten.
Im Palais Christians VII., dem früheren Moltke-Palais, liegen die Repräsentationsräume. Im Palais Christians VIII., dem früheren Levetzau-Palais, ist das Museum untergebracht, das die privaten Wohnräume der Königsfamilie von 1863 bis 1947 zeigt. Frederik X. wohnt im Palais Frederiks VIII., dem früheren Brockdorff-Palais. Eine Kolonnade, die Caspar Frederik Harsdorff nach 1794 baute, verbindet zwei der Palais über die Straße hinweg; sie sieht aus wie Stein, ist aber aus Holz gebaut und bemalt, weil das Geld nach dem Schlossbrand knapp war.
Was das Museum tatsächlich zeigt
Nicht Thronsäle, sondern Arbeits- und Wohnzimmer. Das Museum im Palais Christians VIII. zeigt die Räume, wie sie zwischen 1863 und 1947 tatsächlich genutzt wurden: Schreibtische, Familienfotos, Zigarrenkisten. Für alle, die königliche Prunkräume erwarten, ist das eine Enttäuschung. Für alle, die wissen wollen, wie eine europäische Königsfamilie im 19. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat, ist es genau richtig. Dänemark hat seine Monarchie nie abgeschafft und auch nie musealisiert; das merkt man diesen Räumen an.
Wer die große Repräsentation sucht, findet sie stattdessen in den Königlichen Empfangsräumen von Schloss Christiansborg. Die beiden Häuser ergänzen sich also, statt sich zu wiederholen.
Die Wachablösung: das Beste ist der Weg
Die Königliche Leibgarde, Den Kongelige Livgarde, hat ihre Kaserne bei Schloss Rosenborg. Von dort marschiert sie täglich quer durch die Innenstadt zum Amalienborg-Platz, wo mittags die Wache abgelöst wird. Der Marsch durch die Straßen ist ehrlicherweise das bessere Schauspiel als die Zeremonie selbst, weil man dabei nah herankommt statt hinter drei Reihen zu stehen.
Der Umfang der Zeremonie hängt davon ab, wer gerade in Amalienborg wohnt. Ist der Monarch anwesend, rückt die Wache als Kongevagt mit Musikkorps aus; ist er es nicht, fällt sie kleiner aus. Auf feste Uhrzeiten solltest du dich nicht verlassen, sondern die Angaben vorab auf der offiziellen Seite prüfen, weil sich Ablauf und Beteiligung ändern.
Die Marmorkirche gehört dazu
Die Frederiks Kirke, allgemein Marmorkirken genannt, schließt die Achse hinter dem Platz ab und ist die eigentliche Überraschung des Viertels. Der Grundstein wurde am 30. Oktober 1749 gelegt, doch 1770 stellte man den Bau ein: Frederik V., der ihn bezahlte, war 1766 gestorben, und seinen Nachfolger interessierte das Projekt nicht. Über hundert Jahre stand die Ruine als romantische Sehenswürdigkeit im Stadtbild.
Erst der Finanzier C.F. Tietgen kaufte das Grundstück 1874 und ließ die Kirche durch Ferdinand Meldahl vollenden; geweiht wurde sie am 19. August 1894. Die Kuppel misst 31 Meter im Durchmesser und ist damit die größte Kirchenkuppel Skandinaviens. Sie kann bestiegen werden, allerdings nur zu bestimmten Zeiten und über eine enge Treppe.
Zeit, Lage und Kombination
Für den Platz und die Kirche von außen reichen 45 Minuten. Mit dem Museum werden es rund zwei Stunden. Die beste Zeit ist der frühe Vormittag, bevor sich alles zur Wachablösung sammelt, oder der späte Nachmittag, wenn die Sonne von Westen über die Kuppel auf den Platz fällt. Amalienborg liegt genau auf der Hafenachse: fünf Minuten von Nyhavn, zehn bis fünfzehn Minuten von Kastellet und der Kleinen Meerjungfrau. Wer die Schlösser der Stadt nacheinander sehen will, kombiniert es mit Rosenborg, wo die Leibgarde ihre Kaserne hat und die Kronjuwelen liegen.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istUm die Mittagszeit sammelt sich alles zur Wachablösung auf dem Platz. Stell dich stattdessen an die Marschstrecke aus der Innenstadt, dort kommst du näher heran. Nach der Zeremonie leert sich der Platz innerhalb weniger Minuten.
- Wenn es regnetDer Platz ist völlig offen und vom Hafen her zugig. Bei Regen sind das Museum im Palais Christians VIII. und die Marmorkirche die naheliegenden Ausweichziele, beide wenige Schritte entfernt.
- Mit KindernDer Marsch der Garde mit Bärenfellmützen und Musik funktioniert bei Kindern zuverlässig, das Museum mit seinen Wohnräumen eher nicht. Wenn Kinder dabei sind, plane die Marschstrecke ein und lass das Museum aus.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben, aber grob gepflastert, was mit Rollstuhl oder Rollator anstrengend ist. Das Museum liegt in einem historischen Palais mit Treppen; kläre Aufzug und Zugang vorab. Die Marmorkirche ist ebenerdig zugänglich, die Kuppel nur über eine enge Treppe.
Häufige Fragen
Kann man Amalienborg von innen besichtigen?
Teilweise. Öffentlich zugänglich ist das Museum im Palais Christians VIII. mit den privaten Wohnräumen der Königsfamilie aus den Jahren 1863 bis 1947. Die Repräsentationsräume im Palais Christians VII. sind nur eingeschränkt und zeitweise zugänglich, die Wohnpalais gar nicht. Prüfe den aktuellen Stand vorab auf der offiziellen Seite.
Wann findet die Wachablösung statt?
Täglich um die Mittagszeit. Die Garde marschiert vorher von ihrer Kaserne bei Rosenborg durch die Innenstadt zum Platz, und dieser Marsch ist meist besser zu sehen als die Zeremonie selbst. Feste Uhrzeiten und der Umfang der Wache wechseln je nachdem, ob der Monarch anwesend ist; prüfe die Angaben vor dem Besuch.
Warum wohnt die Königsfamilie nicht in Christiansborg?
Weil Christiansborg 1794 abbrannte. Die Familie kaufte daraufhin die vier privat gebauten Palais am Amalienborg-Platz und zog im Dezember 1794 ein. Als Christiansborg später wieder aufgebaut wurde, war es bereits Sitz des Parlaments; dort gibt es heute nur noch Empfangs- und Repräsentationsräume.
Ist die Marmorkirche einen eigenen Besuch wert?
Ja, schon wegen der Baugeschichte: Grundstein 1749, Bau 1770 eingestellt, über hundert Jahre Ruine, Weihe erst 1894. Die Kuppel hat 31 Meter Durchmesser und ist die größte Kirchenkuppel Skandinaviens. Der Aufstieg ist nur zu bestimmten Zeiten möglich und führt über eine enge Treppe.




