Hovedstaden · Kopenhagen

Nyhavn: Hafen, Farben & Tipps

Nyhavn, wörtlich „Neuer Hafen“, ist ein 450 Meter langer Kanal, den Christian V. von 1670 bis 1675 mitten in die Stadt graben ließ. Gearbeitet haben daran dänische Soldaten und schwedische Kriegsgefangene aus dem Krieg von 1658 bis 1660. Der Zweck war nüchtern: Frachtschiffe sollten bis an den Markt am Kongens Nytorv heranfahren können, statt draußen im Hafen zu löschen.

Wichtig für die Erwartung: Was heute wie eine Postkartenkulisse aussieht, war jahrhundertelang ein Arbeits- und Matrosenviertel mit entsprechendem Ruf, und bis 1980 stand auf dem Kai eine Reihe geparkter Autos. Die bunten Fassaden sind echt und alt, die Nutzung dahinter ist es nicht mehr. Wer das weiß, ärgert sich weniger über die Preise am Wasser.

Nyhavn: Hafen, Farben & Tipps
Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dänischer NameNyhavn, „Neuer Hafen“
  • Angelegt1670 bis 1675 unter Christian V.
  • Länge450 Meter
  • Ältestes HausNummer 9, von 1681
  • H.C. Andersen1845 bis 1864 in Nummer 67
  • Ideale Dauer30 bis 45 Minuten, mit Bootsfahrt 2 Stunden

Ein Frachthafen, in die Stadt hineingegraben

Der Kanal ist kein Naturarm, sondern ein Bauwerk. Er verbindet den Hafen mit dem Kongens Nytorv, dem großen Platz, den derselbe König anlegen ließ. Schiffe konnten damit ihre Ladung direkt an den Speichern löschen, und die Häuser an der Nordseite sind genau dafür gebaut: hoch, schmal, mit Ladeluken und Aufzugsbalken unter dem Dachfirst. Wer nach oben schaut, sieht diese Balken an vielen Häusern noch.

Die Nordseite ist die alte Kaufmanns- und Wirtshausseite, die Südseite die vornehme mit den größeren Stadtpalais, darunter Charlottenborg, heute Sitz der Kunstakademie. Diese Asymmetrie ist der Grund, warum alle Fotos von derselben Stelle aus gemacht werden: nur eine Seite ist bunt.

Die Farben, die Häuser und Hans Christian Andersen

Das älteste Haus am Kanal ist Nummer 9 von 1681, mit sichtbar schmalerem Grundriss als die späteren. Hans Christian Andersen wohnte insgesamt achtzehn Jahre an diesem Kanal: von 1845 bis 1864 in Nummer 67, wo eine Tafel hängt, und von 1871 bis 1875 in Nummer 18. Er zog also nicht in ein malerisches Viertel, sondern in eine laute Hafenstraße mit billigen Zimmern.

Am Kopf des Kanals, dort wo er auf den Kongens Nytorv trifft, steht ein Ankerdenkmal von 1951. Der Anker stammt von der Fregatte Fyn von 1872, und das Denkmal erinnert an mehr als 1.700 dänische Seeleute und Offiziere, die im Zweiten Weltkrieg im Dienst gestorben sind. Die meisten Besucher gehen daran vorbei, ohne es zu bemerken.

Wo die Perspektive wirklich stimmt

Das klassische Bild entsteht nicht mitten auf dem Kai, sondern von der kleinen Brücke am hafenseitigen Ende des Kanals. Von dort staffeln sich die Fassaden hintereinander, und die alten Segler liegen im Vordergrund. Am Kai selbst stehst du zu dicht an den Häusern; die Farben verlieren sich, sobald du unter ihnen läufst.

Die zweite gute Perspektive ist das Wasser selbst. Die Boote der Kanalrundfahrt legen hier ab und fahren zuerst aus dem Kanal heraus, was den Blick zurück ergibt, den man vom Land aus nicht bekommt. Direkt nebenan überquert seit 2016 die Inderhavnsbroen als 180 Meter lange Klappbrücke für Fußgänger und Radfahrer das Hafenbecken nach Christianshavn.

Die Museumsschiffe im Kanal

Im Kanal liegen Veteranenschiffe, die dort nicht zur Dekoration festgemacht sind, sondern erhalten und teilweise noch gefahren werden. Dazu gehören das Feuerschiff Gedser Rev von 1895 und der Schoner Mira von 1898. Sie wechseln, weil einige im Sommer unterwegs sind. Ein Blick auf die Namensschilder am Bug lohnt sich mehr als das dritte Foto der Häuserzeile.

Die Gastronomie am Kai, ehrlich betrachtet

Die Nordseite ist eine durchgehende Reihe von Terrassen, und sie ist genau das, wonach sie aussieht: hochpreisige Lagegastronomie für Besucher. Das Essen ist nicht schlecht, aber du zahlst für den Blick, und die Karten ähneln sich stark. Wenn du deswegen enttäuscht bist, lag es an der Erwartung, nicht am Ort.

Praktisch heißt das: hier ein Getränk in der Sonne, essen woanders. Ein paar Straßen landeinwärts, Richtung Innenstadt und Kongens Nytorv, wird das Verhältnis von Preis und Leistung deutlich besser. Was dänische Küche ausmacht und worauf du achtest, steht bei Essen und Trinken in Kopenhagen. Bezahlt wird auch am Kai in dänischen Kronen und praktisch immer mit Karte.

Wie du weitergehst

Nyhavn ist ein Zwischenstück, kein Ziel für einen halben Tag. Nach Norden sind es wenige Minuten zum Schloss Amalienborg und von dort weiter über Kastellet zur Kleinen Meerjungfrau, insgesamt rund zwei Kilometer flacher Weg an der Wasserkante. Nach Westen führt der Weg in die Altstadt und zur Fußgängerachse. Die vollständige Reihenfolge steht bei den Sehenswürdigkeiten mit Route.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAm vollsten ist der schmale Kai vor den bunten Häusern an sonnigen Nachmittagen. Komm früh am Morgen oder am späten Abend, oder geh gleich auf die ruhigere Südseite mit Charlottenborg, von der aus die Fassaden ohnehin besser aussehen.
  • Wenn es regnetAm Kanal gibt es kaum Schutz. Bei Regen ist die überdachte Alternative eine Bootsfahrt mit verglastem Dach oder der Sprung nach Christianshavn über die Inderhavnsbroen, wo die Speichergassen enger und windgeschützter sind.
  • Mit KindernDie Museumsschiffe funktionieren besser als der Kai. Feuerschiff und Schoner lassen sich von außen gut erklären, und die Klappbrücke nebenan öffnet für durchfahrende Boote, was jedes Mal ein kleines Ereignis ist. Achtung: Der Kai hat keine durchgehende Absperrung zum Wasser.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Kai ist eben, aber altes Kopfsteinpflaster und im Sommer sehr eng zwischen Terrassen und Wasser. Die Südseite ist glatter und deutlich freier. Für Rollstuhl und Kinderwagen ist die Südseite klar die bessere Wahl.

Häufige Fragen

Warum sind die Häuser in Nyhavn bunt?

Farbig verputzte oder gestrichene Fassaden waren in Kopenhagen üblich, weil sie billiger waren als Verblendmauerwerk und den Putz vor Feuchtigkeit schützten. Neu ist nicht die Farbigkeit, sondern dass sie heute gepflegt und aufeinander abgestimmt wird. Die Nordseite war die Kaufmanns- und Wirtshausseite, dort stehen die schmalen Speicherhäuser mit Ladeluken.

Wie viel Zeit braucht Nyhavn?

Für den Kanal selbst reichen 30 bis 45 Minuten, einschließlich Ankerdenkmal, Schiffen und Foto von der Brücke. Wenn du hier eine Kanalrundfahrt anschließt, plane insgesamt rund zwei Stunden. Länger bleibt man nur, wenn man am Wasser sitzen will.

Lohnt sich das Essen direkt am Kai?

Für den Platz an der Sonne ja, für das Essen selten. Die Terrassen an der Nordseite sind Lagegastronomie mit entsprechendem Preisniveau und sehr ähnlichen Karten. Ein Getränk am Wasser und die Mahlzeit ein paar Straßen weiter ist die bessere Aufteilung.

Wann ist es in Nyhavn am vollsten?

An sonnigen Nachmittagen zwischen Juni und August, und dann besonders auf dem schmalen Abschnitt vor den bunten Häusern. Früh am Morgen ist der Kai fast leer, das Licht steht dann aber flach auf den Fassaden. Am späten Abend leert es sich wieder, und die Beleuchtung der Schiffe macht den Kanal noch einmal interessant.