Auf einen Blick
- Gegründet1890, durch den dänischen Industrieverein
- Gebäudeehemaliges Frederiks Hospital von 1757
- Umzug1926, Umbau durch Kaare Klint und Ivar Bentsen
- Wiedereröffnung19. Juni 2022, nach zwei Jahren Umbau
- Schwerpunktdänischer Stuhl, Kunsthandwerk, Plakate
- Ideale Dauer1,5 bis 2,5 Stunden
Ein Krankenhaus als Museum
Das Frederiks Hospital war Dänemarks erstes öffentliches Krankenhaus und wurde 1757 fertiggestellt: vier lange, niedrige Flügel um einen Innenhof, mit hohen Fenstern und viel Licht, weil man damals glaubte, Luft und Licht heilten. Genau diese Bauweise macht das Haus zu einem guten Museum. Die Räume sind ruhig, gleichmäßig belichtet und ohne Prunk, und Möbel stehen darin besser als in Prachtsälen.
Der Umbau von 1926 stammt von Kaare Klint, der zugleich einer der zentralen Figuren des dänischen Möbelbaus war. Er entwarf hier auch den Lesesaal der Bibliothek, in der die größte kunstgewerbliche Fachbibliothek Skandinaviens steht. Dass ein Möbelentwerfer sein eigenes Museum umbaute, ist selten und erklärt viel über die Stellung des Fachs in Dänemark.
Der dänische Stuhl und seine ausländischen Vorbilder
Die zentrale Dauerausstellung dreht sich um den Stuhl, und zwar mit einer ehrlichen These: Der dänische Stuhl ist keine Erfindung aus dem Nichts, sondern das Ergebnis genauer Auseinandersetzung mit fremden Vorbildern. Chinesische Ming-Stühle, englische Windsor-Stühle, Shaker-Möbel aus den USA stehen neben den dänischen Entwürfen, die daraus hervorgingen.
Kaare Klint hatte das zur Methode gemacht: Alte Möbel wurden vermessen, analysiert und neu gedacht, statt eigene Formen zu erfinden. Wer diesen Zusammenhang einmal gesehen hat, erkennt in jedem berühmten dänischen Stuhl das Vorbild. Das ist der stärkste Teil des Hauses.
Warum das ausgerechnet in Dänemark passierte
Die Antwort ist wirtschaftlich, nicht romantisch. In den 1920er Jahren fürchtete das dänische Tischlerhandwerk, gegen billige Importmöbel aus dem Ausland unterzugehen. Nachdem der Versuch gescheitert war, die Einfuhr politisch zu begrenzen, richtete die Kopenhagener Tischlerinnung ab 1927 eine jährliche Möbelausstellung ein, um für das eigene Handwerk zu werben.
Diese Ausstellungen liefen bis 1966, und auf ihnen wurden viele der Stühle zum ersten Mal gezeigt, die heute als Inbegriff dänischer Gestaltung gelten. Dänisches Design ist damit keine Nationalcharaktereigenschaft, sondern das Ergebnis einer konkreten Notlage und einer klugen Reaktion darauf. Genau das erzählt dieses Museum, und genau deshalb ist es besser als sein Ruf als Möbelschau.
Wer hier vertreten ist
Arne Jacobsen, Kaare Klint, Hans J. Wegner, Finn Juhl, Nanna Ditzel und Verner Panton gehören zum Bestand, dazu Keramik, Silber, Textil und Glas aus mehreren Jahrhunderten. Das Haus besitzt außerdem eine große Plakatsammlung und chinesisches sowie deutsches Porzellan, das über den Handel nach Dänemark kam.
Wichtig ist die zeitliche Breite. Dänisches Design wird meist auf die Jahre nach 1945 verkürzt; hier siehst du, dass die Linie viel weiter zurückreicht, bis in die Zeit der Zünfte und der Manufakturen.
Der Garten und die Ruhe
Hinter dem Museum liegt ein Innenhofgarten, der zum Haus gehört und im Sommer offen ist. Er ist einer der ruhigsten Orte im Zentrum, weil ihn kaum jemand von der Straße aus vermutet. Wenn du zwischen zwei Programmpunkten eine Pause brauchst, ist das hier die bessere Wahl als ein Platz an der Fußgängerzone.
Zeit, Lage und Kombination
Anderthalb bis zweieinhalb Stunden sind realistisch. Das Museum liegt in der Bredgade im Viertel Frederiksstaden, wenige Minuten von Amalienborg und der Marmorkirche und gut zu Fuß von Nyhavn aus zu erreichen. Es passt gut in denselben halben Tag wie Rosenborg, das auf der anderen Seite desselben Viertels liegt. Wer Kunst statt Gestaltung sucht, ist in der Glyptotek besser aufgehoben. Die Einordnung in eine Tagesroute steht bei den Kopenhagener Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDas Museum ist selten wirklich voll; eng wird es nur bei Sonderausstellungen an Wochenenden. Wenn doch, beginne bei den älteren Sammlungsteilen und nimm die Stuhl-Ausstellung zum Schluss.
- Wenn es regnetVollständig innen und deshalb ein verlässliches Regenprogramm. In derselben Straße liegt die Marmorkirche, sodass sich daraus ein ganzer Nachmittag ohne Regenpause zusammenstellen lässt.
- Mit KindernFür kleinere Kinder wenig ergiebig, weil hier viel geschaut und wenig angefasst wird. Ältere Kinder, die selbst bauen oder zeichnen, finden in der Stuhl-Ausstellung oft mehr, als Erwachsene erwarten. Der Innenhofgarten hilft bei Pausen.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Bau ist ein umgebautes Krankenhaus mit langen, ebenen Fluchten, was für Rollstuhl und Rollator günstig ist. Zwischen den Flügeln gibt es Niveauunterschiede; kläre Aufzüge und Zugänge vorab auf der offiziellen Seite.
Häufige Fragen
Muss man sich für Design interessieren, damit sich der Besuch lohnt?
Nein, aber es hilft, sich für Handwerk zu interessieren. Das Haus erklärt vor allem, wie Dinge gemacht sind: welches Holz, welche Verbindung, welches Vorbild. Wer gern versteht, warum ein Gegenstand seine Form hat, kommt auch ohne Vorkenntnisse gut durch.
Was ist das Hauptstück der Sammlung?
Die Dauerausstellung zum dänischen Stuhl. Sie stellt dänische Entwürfe neben ihre chinesischen, englischen und amerikanischen Vorbilder und zeigt damit, dass dänisches Möbeldesign aus Analyse entstanden ist und nicht aus dem Nichts. Das ist die klarste Aussage des Hauses.
Wie lange braucht man im Designmuseum?
Anderthalb bis zweieinhalb Stunden. Wer nur die Stuhl-Ausstellung ansehen will, kommt mit einer Stunde aus. Der Innenhofgarten und die Bibliothek von Kaare Klint sind gute Gründe, etwas länger zu bleiben.
Ist das Museum bei Regen eine gute Wahl?
Ja. Der Besuch liegt vollständig innen, die Räume sind hell und ruhig, und das Haus ist selten überfüllt. Zusammen mit der nahen Marmorkirche lässt sich daraus ein vollständiger Regennachmittag im Viertel Frederiksstaden bauen.





